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Helga Brand, 5. Dan Aikido

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Angaben zur Person, zu den Aikido-Lehrern und sonstigen sportlichen Aktivitäten sowie eine Aufzählung der Dan-Grade, Ehrenämter, Ehrungen und Fachveröffentlichtungen können dem Aikido-Lebenslauf entnommen werden.

Hast du Vorbilder im Aikido und was schätzt du an ihnen?
Ja, meinen Mann Rolf, der die Entwicklung des Aikido in vielen bedeutenden Funktionen auf Vereins-, Landes-, Bundes- und Europa-Ebene in technischer und organisatorischer Hinsicht maßgeblich gefördert hat. An ihm schätze ich besonders seine Aufrichtigkeit sowie sein langjähriges und idealistisches Engagement für das von ihm als wertvoll erkannte Aikido, seine Zielstrebigkeit bei der Erledigung umfangreicher Aufgaben und die Standfestigkeit bei der Bewältigung schwieriger Probleme, die oft in die persönlichen Lebensbereiche hineinwirken. Ich meine, dass viele Aikidoka sich auch nicht annähernd vorstellen können, was Rolf in den seit 1956 vergangenen Jahren für das Budo im allgemeinen und das Aikido im besonderen geleistet hat.

Welche Bedeutung hat für dich die Lehrer-Schüler-Beziehung?
Sie ist für mich eine wesentliche und unverzichtbare Grundlage für die gemeinsame positive Entwicklung im Sinne der Aikido-Prinzipien. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass Lehrer-Schüler-Beziehungen vielfältigen inneren und äußeren Belastungen ausgesetzt sind. Folglich können sie auch beendet werden, wenn die innere Bindung - sie äußert sich im harmonischen Miteinander - nicht mehr vorhanden ist.
Mit solchen Situationen hatte ich bisher noch keine Probleme, denn alle Menschen sind in ihren Entscheidungen frei und können den eigenen Weg gehen, wann immer sie wollen.

Wie beurteilst du Aikidoka, die parallel bei Lehrern unterschiedlicher Stile trainieren?
Aikido ist ein sehr anspruchsvoller Weg, der vorrangig über die Technik und durch das persönliche Vorbild des Lehrers vermittelt wird. Da sich die Haupttrainer der verschiedenen Verbände zum Teil erheblich in ihren Techniken und Ausbildungsschwerpunkten unterscheiden, werden die "konsumorientierten Wanderer" schnell verwirrt, weil sie nicht mehr wissen "welche Wahrheit" gültig ist. Spätestens bei den Kyu- und Dan-Prüfungen, die ja immer auf der Grundlage eines Lehrsystems durchgeführt werden müssen, zeigt sich die Unsinnigkeit der "Sammlung von Techniken bzw. Varianten aller Systeme".
Da die Technik des Aikido nur Mittel zum Zweck und nicht das Ziel des Weges ist, sollte man sich einen Lehrer auswählen, unter dessen Anleitung man möglichst oft trainieren kann. Diese Feststellung schließt den Besuch von Lehrgängen, in denen grundsätzlich nach dem gleichen technischen System unterrichtet wird, natürlich nicht aus, im Gegenteil.

Wie und warum engagierst du dich ehrenamtlich für Aikido?
Der Schwerpunkt meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten lag immer in den technischen Bereichen, weil mir der "Organisations- und Schreibkram" nicht sehr liegt.

Engagiert habe ich mich aus zwei wesentlichen Gründen:
1. wollte ich das schöne und erzieherisch wertvolle Aikido gerade jungen Menschen zugänglich machen;
2. möchte ich mich so für die mit dem Aikido im Zusammenhang stehende Bereicherung meines Lebens bedanken.

Welchen Stellenwert hat Aikido für dich auf der Matte und im Leben?
In den vielen Jahren der praktischen Ausübung sind das Aikido sowie die daraus entstandenen guten sportlichen und menschlichen Beziehungen ein wesentlicher Lebensinhalt geworden. Ich habe durch Aikido und meine zahlreichen Schüler viel gelernt, vor allem Toleranz, Geduld und Weitsicht. Auch ist mir klar geworden, dass nur der Mensch von anderen respektiert und geliebt wird, der aufrichtig und offen ist, sich vorbehaltlos einbringt und seine Gefühle zeigt.

Worauf führst du Deinen Erfolg im Aikido zurück?
Auf das langjährige, ausdauernde und zielstrebige Training unter Anleitung idealistischer und fachkundiger Lehrer sowie die wohlwollende Unterstützung durch geduldige Partner und auf meine Lehrtätigkeit im Jugend- und Erwachsenenbereich.

Welche Aikidotechniken haben für dich einen besonderen Stellenwert und warum?
Meiner Ansicht nach sind alle Nage- und Katame-waza mit der "leeren Hand" sehr wichtig, weil sie wesentliche Prinzipien vermitteln und eine unverzichtbare Grundlage für die stufenweise Entwicklung des Ausübenden sind. Ein Aikidoka, der die Grundtechniken gut verinnerlicht hat, wird später auch bei der Abwehr bewaffneter Angreifer keine Probleme haben und schnell Fortschritte machen.

Welche Budo-Disziplin bzw. Sportart gefällt dir noch gut?
Wie bereits ausgeführt, habe ich früher Judo betrieben. Es gefiel mir immer gut und ich hätte bei weiterer Entwicklung sicher auch an Wettkämpfen teilgenommen.
In jungen Jahren habe ich erfolgreich Leichtathletik (Kugel, Speer, Diskus und Schleuderball) betrieben. Später gehörte ich einer Volleyball-Mannschaft an, die auch bei Turnieren gespielt hat. Zur Förderung der Ausdauer bin ich in dieser Zeit fast täglich und über lange Strecken geschwommen oder gelaufen.
Heute gehe ich regelmäßig und schnell im Wald und betreibe mehrmals wöchentlich Gymnastik sowie Aerobic. Seit zwei Jahren trainiere ich auch T'ai Chi Ch'uan, weil es unter anderem die innere Ruhe und Geduld fördert.

Wie stehst du zum Kraft- oder Ausdauertraining?
Zur Ausübung des Aikido ist meiner Ansicht nach kein spezielles Krafttraining notwendig; es kann sogar schädlich sein, da insbesondere bei der Arbeit mit Gewichten "kurze Muskeln" gebildet werden. Ich denke dabei besonders an die Bodentechniken aber auch an einige Nage-Waza, bei denen Verhebelungen vorkommen.
Über die Bedeutung eines gezielten Ausdauertrainings habe ich mich bereits geäußert. Wenn Anwärter bei Dan-Prüfungen manchmal erhebliche Konditionsschwächen zeigen, die nicht nur die Verletzungsgefahr steigern, sondern auch die technische Qualität und persönliche Ausstrahlung erheblich mindern, kann ich "richtig sauer" werden.

Was fällt dir persönlich im Aikido besonders schwer bzw. leicht?
Leicht fallen mir alle Standtechniken, bei denen ich mich "richtig auspowern" kann. Meiner Ansicht nach sind Beweglichkeit und Ausdauer eine wesentliche Voraussetzung zum Erlernen des Aikido. Wer Freude an der Bewegung hat und über eine gute Kondition verfügt, ist immer gut motiviert und kommt auch weiter.
Mit den diffizilen Techniken, die mehr auf den "Fluss der inneren Energie" als auf die äußeren Aspekte abstellen, kann ich mich nicht besonders anfreunden. Wahrscheinlich bin ich da noch zu ungeduldig. Aber, was nicht ist, kann im weiteren Verlauf meiner "Wanderschaft" ja noch werden. Man soll die Hoffnung nie aufgeben!

Wie vollzieht sich deiner Ansicht nach die Entwicklung eines ernsthaft übenden Aikidoka und wohin führt sie?
Aikido ist zunächst ein System zum Erlernen handwerklicher Fertigkeiten, das automatisch zur körperlichen Erfahrung führt. Bei ausdauernder und ernsthafter Übung verändert es sich jedoch zu einem Weg der Selbstverwirklichung, der für den Aikidoka und seine Mitmenschen sehr wertvoll ist. Der Aikidoka gewinnt zunehmend an Weitsicht, Stärke und Freiheit; er kann eintreten und ausweichen bzw. zupacken und loslassen, hält harmonische Distanz und bildet mit dem Partner eine Einheit - jeweils im rechten Augenblick.
Der Aikidoka besitzt dann ein hohes Maß an innerer Freiheit und kann seine körperlichen sowie geistig-seelischen Kräfte optimaler einsetzen. Auf Grundlage der verinnerlichten Prinzipien des Aikido wird er seinen Beitrag zur positiven Entwicklung anderer Menschen gern und auch erfolgreich leisten.

Welches sind deine schönsten Aikido-Erinnerungen?
Das war meine im Alter von 60 Jahren nach einjähriger gezielter und intensiver Vorbereitung abgelegte Prüfung auf den 5. Dan Aikido sowie die damit im Zusammenhang stehende Selbstbestätigung, aber auch die freudige Anteilnahme vieler Menschen, mit denen ich mich besonders verbunden fühle.

Welches sind deine schlechtesten Aikido-Erinnerungen?
Die Art und Weise, in der lebenserfahrene und hochrangige Meister das Aikido sowie ihre langjährigen Schüler und treuen Weggefährten ausnutzen oder behandeln. Aber auch der Undank langjährig geförderter Schüler, die einer kritischen Selbstprüfung ausweichen und ihre Fehler sowie persönlichen Probleme einfach auf den Lehrer oder ihre Partner übertragen.

Über welche Menschen kannst du dich ärgern?
Menschen, die - auch im Zusammenhang mit dem Aikido - moralische Normen aufstellen, die nur für andere bindend sind sowie solche, die sich selbst in den Vordergrund stellen und wiederkehrend Projekte ankündigen, die sie nie realisieren.
Wenn diese "Schwätzer" dann noch erfolgreiche "Tatmenschen" kritisieren, um deren Erfolge zu mindern oder sich selbst aufzuwerten, kann ich wirklich "zum Tiger" werden.

Welches sind deine weiteren Ziele auf dem Weg des Aiki?
Zusammen mit meinem Mann möchte ich noch viele Jahre bei guter Gesundheit den Weg des Aiki, der auch ein wesentlicher Teil unseres gemeinsamen Lebens ist, gehen - Schritt für Schritt. Die Ziele sind dabei von nachgeordneter Bedeutung.

Liebe Helga,vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und alles Gute auf deinem weiteren Weg.