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Angaben zur Person, zu den Aikido-Lehrern und sonstigen sportlichen
Aktivitäten sowie eine Aufzählung der Dan-Grade, Ehrenämter,
Ehrungen und Fachveröffentlichtungen können dem Aikido-Lebenslauf
entnommen werden.
Hast du Vorbilder im Aikido
und was schätzt du an ihnen?
Ja, meinen Mann Rolf, der die Entwicklung des Aikido in vielen bedeutenden
Funktionen auf Vereins-, Landes-, Bundes- und Europa-Ebene in technischer
und organisatorischer Hinsicht maßgeblich gefördert hat.
An ihm schätze ich besonders seine Aufrichtigkeit sowie sein
langjähriges und idealistisches Engagement für das von
ihm als wertvoll erkannte Aikido, seine Zielstrebigkeit bei der
Erledigung umfangreicher Aufgaben und die Standfestigkeit bei der
Bewältigung schwieriger Probleme, die oft in die persönlichen
Lebensbereiche hineinwirken. Ich meine, dass viele Aikidoka sich
auch nicht annähernd vorstellen können, was Rolf in den
seit 1956 vergangenen Jahren für das Budo im allgemeinen und
das Aikido im besonderen geleistet hat.
Welche Bedeutung hat für
dich die Lehrer-Schüler-Beziehung?
Sie ist für mich eine wesentliche und unverzichtbare Grundlage
für die gemeinsame positive Entwicklung im Sinne der Aikido-Prinzipien.
Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass Lehrer-Schüler-Beziehungen
vielfältigen inneren und äußeren Belastungen ausgesetzt
sind. Folglich können sie auch beendet werden, wenn die innere
Bindung - sie äußert sich im harmonischen Miteinander
- nicht mehr vorhanden ist.
Mit solchen Situationen hatte ich bisher noch keine Probleme, denn
alle Menschen sind in ihren Entscheidungen frei und können
den eigenen Weg gehen, wann immer sie wollen.
Wie beurteilst du Aikidoka,
die parallel bei Lehrern unterschiedlicher Stile trainieren?
Aikido ist ein sehr anspruchsvoller Weg, der vorrangig über
die Technik und durch das persönliche Vorbild des Lehrers vermittelt
wird. Da sich die Haupttrainer der verschiedenen Verbände zum
Teil erheblich in ihren Techniken und Ausbildungsschwerpunkten unterscheiden,
werden die "konsumorientierten Wanderer" schnell verwirrt,
weil sie nicht mehr wissen "welche Wahrheit" gültig
ist. Spätestens bei den Kyu- und Dan-Prüfungen, die ja
immer auf der Grundlage eines Lehrsystems durchgeführt werden
müssen, zeigt sich die Unsinnigkeit der "Sammlung von
Techniken bzw. Varianten aller Systeme".
Da die Technik des Aikido nur Mittel zum Zweck und nicht das Ziel
des Weges ist, sollte man sich einen Lehrer auswählen, unter
dessen Anleitung man möglichst oft trainieren kann. Diese Feststellung
schließt den Besuch von Lehrgängen, in denen grundsätzlich
nach dem gleichen technischen System unterrichtet wird, natürlich
nicht aus, im Gegenteil.
Wie und warum engagierst du
dich ehrenamtlich für Aikido?
Der Schwerpunkt meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten lag immer
in den technischen Bereichen, weil mir der "Organisations-
und Schreibkram" nicht sehr liegt.
| Engagiert habe ich mich aus zwei
wesentlichen Gründen: |
| 1. |
wollte ich das schöne und erzieherisch
wertvolle Aikido gerade jungen Menschen zugänglich machen; |
| 2. |
möchte ich mich so für die mit dem
Aikido im Zusammenhang stehende Bereicherung meines Lebens bedanken. |
Welchen Stellenwert hat Aikido
für dich auf der Matte und im Leben?
In den vielen Jahren der praktischen Ausübung sind das Aikido
sowie die daraus entstandenen guten sportlichen und menschlichen
Beziehungen ein wesentlicher Lebensinhalt geworden. Ich habe durch
Aikido und meine zahlreichen Schüler viel gelernt, vor allem
Toleranz, Geduld und Weitsicht. Auch ist mir klar geworden, dass
nur der Mensch von anderen respektiert und geliebt wird, der aufrichtig
und offen ist, sich vorbehaltlos einbringt und seine Gefühle
zeigt.
Worauf führst du Deinen
Erfolg im Aikido zurück?
Auf das langjährige, ausdauernde und zielstrebige Training
unter Anleitung idealistischer und fachkundiger Lehrer sowie die
wohlwollende Unterstützung durch geduldige Partner und auf
meine Lehrtätigkeit im Jugend- und Erwachsenenbereich.
Welche Aikidotechniken haben
für dich einen besonderen Stellenwert und warum?
Meiner Ansicht nach sind alle Nage- und Katame-waza mit der "leeren
Hand" sehr wichtig, weil sie wesentliche Prinzipien vermitteln
und eine unverzichtbare Grundlage für die stufenweise Entwicklung
des Ausübenden sind. Ein Aikidoka, der die Grundtechniken gut
verinnerlicht hat, wird später auch bei der Abwehr bewaffneter
Angreifer keine Probleme haben und schnell Fortschritte machen.
Welche Budo-Disziplin bzw.
Sportart gefällt dir noch gut?
Wie bereits ausgeführt, habe ich früher Judo betrieben.
Es gefiel mir immer gut und ich hätte bei weiterer Entwicklung
sicher auch an Wettkämpfen teilgenommen.
In jungen Jahren habe ich erfolgreich Leichtathletik (Kugel, Speer,
Diskus und Schleuderball) betrieben. Später gehörte ich
einer Volleyball-Mannschaft an, die auch bei Turnieren gespielt
hat. Zur Förderung der Ausdauer bin ich in dieser Zeit fast
täglich und über lange Strecken geschwommen oder gelaufen.
Heute gehe ich regelmäßig und schnell im Wald und betreibe
mehrmals wöchentlich Gymnastik sowie Aerobic. Seit zwei Jahren
trainiere ich auch T'ai Chi Ch'uan, weil es unter anderem die innere
Ruhe und Geduld fördert.
Wie stehst du zum Kraft- oder
Ausdauertraining?
Zur Ausübung des Aikido ist meiner Ansicht nach kein spezielles
Krafttraining notwendig; es kann sogar schädlich sein, da insbesondere
bei der Arbeit mit Gewichten "kurze Muskeln" gebildet
werden. Ich denke dabei besonders an die Bodentechniken aber auch
an einige Nage-Waza, bei denen Verhebelungen vorkommen.
Über die Bedeutung eines gezielten Ausdauertrainings habe ich
mich bereits geäußert. Wenn Anwärter bei Dan-Prüfungen
manchmal erhebliche Konditionsschwächen zeigen, die nicht nur
die Verletzungsgefahr steigern, sondern auch die technische Qualität
und persönliche Ausstrahlung erheblich mindern, kann ich "richtig
sauer" werden.
Was fällt dir persönlich
im Aikido besonders schwer bzw. leicht?
Leicht fallen mir alle Standtechniken, bei denen ich mich "richtig
auspowern" kann. Meiner Ansicht nach sind Beweglichkeit und
Ausdauer eine wesentliche Voraussetzung zum Erlernen des Aikido.
Wer Freude an der Bewegung hat und über eine gute Kondition
verfügt, ist immer gut motiviert und kommt auch weiter.
Mit den diffizilen Techniken, die mehr auf den "Fluss der inneren
Energie" als auf die äußeren Aspekte abstellen,
kann ich mich nicht besonders anfreunden. Wahrscheinlich bin ich
da noch zu ungeduldig. Aber, was nicht ist, kann im weiteren Verlauf
meiner "Wanderschaft" ja noch werden. Man soll die Hoffnung
nie aufgeben!
Wie vollzieht sich deiner Ansicht
nach die Entwicklung eines ernsthaft übenden Aikidoka und wohin
führt sie?
Aikido ist zunächst ein System zum Erlernen handwerklicher
Fertigkeiten, das automatisch zur körperlichen Erfahrung führt.
Bei ausdauernder und ernsthafter Übung verändert es sich
jedoch zu einem Weg der Selbstverwirklichung, der für den Aikidoka
und seine Mitmenschen sehr wertvoll ist. Der Aikidoka gewinnt zunehmend
an Weitsicht, Stärke und Freiheit; er kann eintreten und ausweichen
bzw. zupacken und loslassen, hält harmonische Distanz und bildet
mit dem Partner eine Einheit - jeweils im rechten Augenblick.
Der Aikidoka besitzt dann ein hohes Maß an innerer Freiheit
und kann seine körperlichen sowie geistig-seelischen Kräfte
optimaler einsetzen. Auf Grundlage der verinnerlichten Prinzipien
des Aikido wird er seinen Beitrag zur positiven Entwicklung anderer
Menschen gern und auch erfolgreich leisten.
Welches sind deine schönsten
Aikido-Erinnerungen?
Das war meine im Alter von 60 Jahren nach einjähriger gezielter
und intensiver Vorbereitung abgelegte Prüfung auf den 5. Dan
Aikido sowie die damit im Zusammenhang stehende Selbstbestätigung,
aber auch die freudige Anteilnahme vieler Menschen, mit denen ich
mich besonders verbunden fühle.
Welches sind deine schlechtesten
Aikido-Erinnerungen?
Die Art und Weise, in der lebenserfahrene und hochrangige Meister
das Aikido sowie ihre langjährigen Schüler und treuen
Weggefährten ausnutzen oder behandeln. Aber auch der Undank
langjährig geförderter Schüler, die einer kritischen
Selbstprüfung ausweichen und ihre Fehler sowie persönlichen
Probleme einfach auf den Lehrer oder ihre Partner übertragen.
Über welche Menschen kannst du dich
ärgern?
Menschen, die - auch im Zusammenhang mit dem Aikido - moralische
Normen aufstellen, die nur für andere bindend sind sowie solche,
die sich selbst in den Vordergrund stellen und wiederkehrend Projekte
ankündigen, die sie nie realisieren.
Wenn diese "Schwätzer" dann noch erfolgreiche "Tatmenschen"
kritisieren, um deren Erfolge zu mindern oder sich selbst aufzuwerten,
kann ich wirklich "zum Tiger" werden.
Welches sind deine weiteren
Ziele auf dem Weg des Aiki?
Zusammen mit meinem Mann möchte ich noch viele Jahre bei guter
Gesundheit den Weg des Aiki, der auch ein wesentlicher Teil unseres
gemeinsamen Lebens ist, gehen - Schritt für Schritt. Die Ziele
sind dabei von nachgeordneter Bedeutung.
Liebe Helga,vielen Dank für die Beantwortung
der Fragen und alles Gute auf deinem weiteren Weg.
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