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Erhard Altenbrandt, 8. Dan Aikido

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Angaben zur Person, zu den Aikido-Lehrern und sonstigen sportlichen Aktivitäten sowie eine Aufzählung der Dan-Grade, Ehrenämter, Ehrungen und Fachveröffentlichungen können dem Aikido-Lebenslauf entnommen werden.

Wann hast du Aikido zum ersten Mal gesehen und wie war dein Eindruck?
Aikido habe ich 1965 erstmals über ein Buch von Koichi Tohei kennen gelernt. Der Text und die Fotos haben mich fasziniert und ich hatte den sehnlichen Wunsch, diese Budo-Disziplin möglichst bald näher kennen zu lernen. Dieser Wunsch ging dann bald in Erfüllung, denn ich konnte im Mai 1965 den 1. Aikido-Lehrgang unter Leitung des japanischen Meisters Yoshimasa Kimura an der Landessportschule in Tailfingen besuchen. Neben den philosophischen Inhalten war ich von den dynamischen kreis- und spiralförmigen Bewegungen der bei diesem Lehrgang vermittelten Techniken begeistert.

Welche Beziehung hattest bzw. hast du zu deinen Aikido-Lehrern?
Wie bereits erwähnt, hatte ich im Mai 1965 einen ersten Kontakt mit dem japanischen Aikido-Meister Yoshimasa Kimura. In der Folge konnte ich mit diesem Meister noch einige Monate arbeiten und es entwickelte sich in kürzester Zeit eine sehr innige und freundschaftliche Bindung.
Zeitgleich mit der Rückkehr von Gerd Wischnewski aus Japan kehrte Yoshimasa Kimura nach Japan zurück. Ab diesem Zeitpunkt studierte ich Aikido sehr intensiv unter Anleitung von Meister Wischnewski. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine sehr enge Bindung. Der Kontakt zu diesem Meister wurde nicht nur anlässlich der angebotenen zahlreichen Aikido-Lehrgänge gepflegt, sondern erstreckte sich auch auf regelmäßige Besuche im Dojo von Meister Wischnewski in Wiesbaden. Auf Empfehlung meines Meisters stellte ich mich nach intensiver Vorbereitung am 6. Juni 1970 in Dortmund-Marten der Prüfung zum 1. Dan Aikido.
Im Jahre 1972 musste Meister Wischnewski aus gesundheitlichen Gründen das Amt des Bundestrainers für Aikido aufgeben und es war für mich damit zwangsweise eine neue Orientierung notwendig. Meister Rolf Brand trat 1972 auf einstimmigen Wunsch der Technischen Kommission die Nachfolge von Gerd Wischnewski als Bundestrainer an. Die stets geschätzte gute Arbeit auf der Tatami sowie die herausragenden Qualitäten dieses Meister im administrativen Bereich waren für mich äußerst hilfreich und von großem Nutzen. Ich hoffe und wünsche sehr, dass die tiefe Freundschaft zu meinem jahrelangen Weggefährten, Meister Rolf Brand, auch zukünftig Bestand hat.
Mit dem leider viel zu früh verstorbenen Aikido-Meister Ives Cauhepé, 5. Dan Aikido, und Schüler von Meister André Nocquet - fand ich einen neuen sehr sympathischen Lehrer, der gerne bereit war, mich auf dem Weg des Aiki weiter zu führen. Die Umstellung auf eine andere technische Dimension des Aikido verlief nicht ganz problemlos und konnte nur unter häufigem Kontakt zu diesem Meister aus der Schweiz bewältigt werden. Der Besuch zahlreicher Lehrgänge, die unter Leitung von Meister Cauhepé in Deutschland stattfanden, wurde ergänzt durch einige Besuche in der Schweiz. Sowohl durch das gemeinsame Training als auch durch häufige private Kontakte entstand eine sehr enge und nützliche Verbindung.
Nach dem Tod von Meister Ives Cauhepé entstand im Laufe der Jahre eine besondere Schüler-Lehrer-Beziehung zu dem ranghöchsten Aikido-Meister der Europäischen Aikido-Union, André Nocquet, 8. Dan Aikido, die bis zu seinem Tod anhielt.

Hast du Vorbilder im Aikido und was schätzt du an ihnen?
An erster Stelle nenne ich hier den ranghöchsten Aikido-Meister der Aikido-Union Deutschland e.V., meinen Freund und Weggefährten Rolf Brand, 8. Dan Aikido, der es versteht, in einer unnachahmlichen Art und mit großem Erfolg sowohl die Technik des Aikido zu vermitteln, als auch die überaus positive Entwicklung des Aikido in Deutschland durch eine perfekte Arbeit im administrativen Bereich voranzutreiben.
Sein unermüdlicher Einsatz, unter Zurückstellung persönlicher Interessen, ist nicht zu übertreffen. Meinem Weggefährten und Freund Rolf Brand verdanke ich sehr viel. Die konsequente Einstellung von Rolf Brand im Hinblick auf die Verbreitung des klassischen Aikido, seine methodisch-didaktisch bestens vorbereiteten und dargebotenen Lehreinheiten sowie die ausgezeichnete Fähigkeit, philosophische und erzieherische Inhalte des Aikido in verständlichen Worten zum Ausdruck zu bringen, haben mich immer wieder neu motiviert, eigene Ziele im Aikido intensiv zu verfolgen.
Auch schätzte ich sehr die ausgezeichnete Technik von Meister André Nocquet, die ich bei sehr vielen Lehrgängen bewundern durfte. Durch seine tolerante, humorvolle und liebenswürdige Art verstand Meister Nocquet es bei seinen Lehrgängen immer wieder, eine große Teilnehmerzahl in die Dojo zu locken. Meister Nocquet, den ich über 20 Jahren kannte, verfolgte ebenfalls konsequent die Linie des klassischen Aikido, und man konnte bei seinen Lehrgängen immer wieder feststellen, dass sein Lehrer - 0 Sensei Morihei Ueshiba - in ihm lebte.

Welche Bedeutung hat für dich die Lehrer-Schüler-Beziehung?
Für mich ist Aikido ohne eine enge Lehrer-Schüler-Bindung nicht denkbar. Den Weg (Do) des Aiki kann der Aikido-Schüler nur gemeinsam mit einem Meister gehen. Der Aikido-Meister - auf dem Weg vorangeschritten - kann seinen eigenen Weg im Aikido nur mit seinen Schülern gehen. Insofern entwickelt sich eine unbedingt notwendige Wechselbeziehung, wobei sich beide - der Schüler und der Lehrer - gegenseitig ergänzen. Das Ausmaß des persönlichen Erfolges ist in erster Linie eine Frage der ganzheitlichen Akzeptanz des Lehrers.

Wie beurteilst du Aikidoka, die parallel bei Lehrern unterschiedlicher Stile trainieren?
Für ranghohe Aikido-Meister ist es sicher auch einmal interessant, die Arbeit der Aikido-Meister in anderen Verbänden kennen zu lernen. Da in den einzelnen Verbänden stets eine unterschiedliche Aikido-Technik anzutreffen ist, hat ein Aikido-Schüler, der dies noch nicht richtig werten kann, jedoch große Probleme damit.
Bekanntermaßen gibt der Aikido-Lehrer ein Bewegungsvorbild, womit er den Schüler ermuntert, diese Bewegung nachzuvollziehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Schüler, die bei wechselnden Lehrern in unterschiedlichen Verbänden mehr oder weniger regelmäßig trainieren, ihre Technik nicht in dem Maße verinnerlichen können, wie dies für die persönliche Entwicklung im Aikido nützlich wäre, da ständig neue Bewegungsvorbilder auf sie einstürzen und die Schüler verwirren.

Warum engagierst du dich ehrenamtlich für Aikido?
Da ich vom Aikido seit Beginn meines Studiums fasziniert war, erklärte ich mich schon sehr früh bereit, das, was ich von meinen Lehrern bekommen habe, auch anderen wiederzugeben. Aikido ist ein Teil meines Lebens und beschränkt sich nicht nur auf die körperliche Technik. Die Tätigkeit in wichtigen Funktionen hat trotz auftretender Höhen und Tiefen in der Vergangenheit immer wieder großen Spaß gemacht. In diesem Sinne fühle ich mich auch meinen Lehrern gegenüber verpflichtet, die mich auf dem Weg des Aiki so weit gebracht haben. Allerdings ist es in letzter Zeit schwierig geworden nach dem enttäuschenden Verhalten einiger Funktionsinhaber immer wieder neue Motivation für die administrativen Aufgaben zu finden. Dies hängt wohl in erster Linie damit zusammen, dass unsere Gesellschaft einem sehr unguten Wertewandel unterworfen ist. Beispielsweise möchte ich feststellen, dass viele Aikidoka das Prinzip "Nehmen" sehr stark ausgeprägt haben und das Prinzip "Geben" weitgehend verdrängen.

Welchen Stellenwert hat Aikido für dich auf der Matte und im Leben?
Die Arbeit auf der Tatami ist äußerst wichtig, da hierbei die Elemente und Prinzipien immer mehr verinnerlicht und sicherer Bestandteil des Unterbewusstseins werden. Konflikte im täglichen Leben sind "aus dem Bauch heraus" besser zu bewältigen, je länger man Aikido betreibt. Für mich ist Aikido ein Lebensweg, den ich beständig gehen werde, solange es mein Körper erlaubt.

Worauf führst du Deinen Erfolg im Aikido zurück?
Beständiges Üben unter der Anleitung guter Lehrer und die konsequente Bindung an das klassische Aikido. Der Erfolg stellte sich von selbst ein. Die erworbenen Grade im Budo wurden mir immer von meinen Lehrern bzw. den zuständigen Organisationen "aufgedrängt". Wer im Aikido Erfolg haben will, darf sich nicht die Graduierungen zum Ziel setzen!

Welche Aikidotechniken haben für dich einen besonderen Stellenwert und warum?
Die Ausprägung eines starken KI hat in der Aikido-Technik einen besonders hohen Stellenwert. Die Übertragung der Bewegung des eigenen Körperzentrums auf den Angreifer muss immer einhergehen mit der richtigen Atmung. Der Einsatz von positivem KI kommt besonders stark in dem Atemkraftwurf "Kokyu-Nage" zum Ausdruck. Mit dieser Technik habe ich mich in letzter Zeit sehr intensiv beschäftigt, ohne die sonstigen Techniken des Aikido zu vernachlässigen.

Welche Budo-Disziplin bzw. Sportart gefällt dir noch gut?
Da in vielen Budo-Disziplinen der Wettkampfcharakter einen zu hohen Stellenwert erhalten hat, habe ich davon Abstand genommen. T´ai Chi und Qigong gefallen mir sehr gut.

Wie stehst du zum Kraft- oder Ausdauertraining?
Für mich persönlich finde ich kaum noch Zeit, um spezielles Kraft- und Ausdauertraining durchzuführen. Gelegentlich setze ich mich auf mein Fahrrad, um einige Kilometer zu absolvieren. Die meiste Zeit, die ich für Aikido aufbringen kann, bin ich als Lehrer auf der Tatami tätig. Ein gezieltes Krafttraining ist im Aikido nur dann notwendig, wenn bestimmte Muskelpartien - z. B. die Oberschenkelmuskulatur - zu schwach ausgeprägt sind.

Was fällt dir persönlich im Aikido besonders schwer bzw. leicht?
Dazu fällt mir spontan nicht viel ein. Die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben im administrativen Bereich bereiten zunehmend Schwierigkeit. Dagegen leite ich mit großer Freude sehr gerne Aikido-Trainingseinheiten und -Lehrgänge.

Wie vollzieht sich deiner Ansicht nach die Entwicklung eines ernsthaft übenden Aikidoka und wohin führt sie?
Am Anfang steht die körperliche Übung. Mit zunehmender Verinnerlichung der Aikido-Technik erfährt der Schüler auch die Zusammenhänge im geistig-seelischen Bereich. Ein ernsthaft übender Aikidoka wird die Prinzipien des Aikido zunehmend auf andere Bereiche des täglichen Lebens übertragen. Eine positive Lebensgestaltung und Konfliktbewältigung mit anderen Mitteln - im Gegensatz zum Kampf - ist die Folge.

Welches sind deine schönsten Aikido-Erinnerungen?
Der Besuch unzähliger Aikido-Lehrgänge im In- und Ausland im Kreise lieb gewonnener Freunde.

Welches sind deine schlechtesten Aikido-Erinnerungen?
Schlechte Erinnerungen habe ich an ehemalige Aikidoka, für deren persönliche Entwicklung ich sehr viel Zeit investiert habe, die dann nach einigen Jahren ihr Aikido mit fadenscheinigen Gründen an den berühmten Nagel gehängt haben.

Über welche Menschen kannst du dich ärgern?
Ich ärgere mich über Menschen, die der positiven Entwicklung des Aikido im Wege stehen.

Warum hast du den Deutschen Aikido-Bund e.V. im Jahre 2002 verlassen, um einen neuen Bundesverband zu gründen?
Nach den durch einige DAB-Repräsentanten ausgesprochenen Verunglimpfungen und Beleidigungen, sah ich im DAB keine Heimat mehr. So wurde z.B. meinem Freund Rolf Brand und mir unterstellt, dass wir uns gegenseitig auf den 8. Dan Aikido graduieren wollen, um in der Folge den Niedergang des DAB zu betreiben. Auch wurden wir als ranghohe Meister im DAB zuletzt äußerst respektlos behandelt.

Seit wann und warum werden die slowenischen Aikidoka von dir gefördert?
Seit 1995 besuche ich regelmäßig meine Freunde in Slowenien um dort Aikido zu unterrichten. Es hat sich zwischen uns eine herzliche Freundschaft entwickelt. Die dortigen Aikidoka trainieren mit großem Fleiß und machen gute Fortschritte. Der Präsident und Meister des Aikido-Verein 1994 Maribor, Rudolf Majcen, konnte im letzten Jahr die Prüfung zum 3. Dan Aikido erfolgreich bestehen.

Welches sind deine weiteren Ziele auf dem Weg des Aiki?
Durch meine Arbeit auf Landes- und Bundesebene möchte ich auch künftig meinen Beitrag zur Förderung unserer schönen Budo-Disziplin leisten.

Lieber Erhard, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und alles Gute auf deinem weiteren Weg.