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Aikido - ein wertvoller Weg

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Mit den Budo-Sportarten verbinden viele Menschen Vorstellungen vom unbesiegbaren Film- und Fernsehhelden, der die differenzierten Probleme des Lebens entschlossen und überlegen mit einem gekonnten Schlag löst oder auch vom Rowdy, der Fähigkeiten besitzt, mit denen er seine Umwelt ungestraft erschreckt und tyrannisiert.

Jeder ernsthafte Budoka mag diese durch mangelnde Information, Sensationslust und gedankenlose Werbung geprägte Auffassung belächeln, jedoch sollte der dem Sport damit zugefügte Schaden nicht unterschätzt werden.

Wir verbinden mit dem Wort Aikido viele Stunden harten Trainings im Dojo, eine dauernde Bekämpfung der eigenen Unzulänglichkeiten, die ständige Rücksichtnahme auf den Partner, den Willen zur Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung, den vernünftigen Gebrauch der körperlichen und geistig-seelischen Kräfte, sowie die rechte Handhabung der persönlichen Freiheit.

In allen Bereichen werden die Menschen heute ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und Leistungsvermögen nach den Prinzipien des Wettbewerbs und Kampfes erzogen, geführt, beurteilt und belohnt.

Die Forderung nach permanenter Höchstleistung führt zu Spannungen und nicht selten zu Neurosen. Das Gleichgewicht zwischen dem Einzelnen und der Natur wird ebenso gestört, wie die Harmonie der Menschen untereinander. Unzufriedenheit, Unersättlichkeit und Lebensüberdruss wecken gefährliche Aggressionen und führen zur Eskalation der Gewalt.

Müssen wir Menschen diese verhängnisvolle Entwicklung als eine Realität des Lebens akzeptieren? Worin besteht der Fortschritt für den dieser hohe Tribut bezahlt wird? Gibt es keine Möglichkeit, einem Teufelskreis zu entrinnen, der zur Zerstörung unserer Umwelt, zur Pervertierung wahrer Werte und letztlich zur Bedrohung der Existenz aller Menschen führt?

Meiner Ansicht nach bieten sich Alternativen, die ohne Einschränkung der Lebensqualität verhängnisvolle Fehlentwicklungen ausschalten und gefährliche Rückkopplungen vermeiden. Eine Möglichkeit finden wir im Studium des Weges zur Harmonisierung der geistigen Kraft - dem Aikido!

Genialität und Verdienst des Aikidobegründers, O Sensei Morihei Ueshiba, bestanden nicht allein darin, dass er den Menschen ein neues System der Verteidigung gegen bewaffnete und unbewaffnete Angreifer geschenkt hat.

Sein Aikido ist vielmehr ein in der Körpersprache geschriebenes Lehrbuch moralischer, philosophischer und erzieherischer Grundsätze, das allen Menschen zugänglich ist.

Die Techniken des Aikido sind von einer starken Idee der Harmonie und dem Geist des Friedens durchdrungen. Jeder Ausübende, der die Elemente und Prinzipien durch intensives Üben verinnerlicht hat, wird auch in einer ihm aufgezwungenen und unvermeidbaren Verteidigungssituation den Grundsätzen der Humanität und der Verhältnismäßigkeit absoluten Vorrang einräumen.

Wer Aikido richtig betreibt, ist aber auch auf der ständigen Suche nach jenen Gesetzmäßigkeiten, die unsere Welt und alle Lebewesen geprägt haben und beseelen.

Mit fortschreitendem Studium erfolgt eine Rückbesinnung auf den Ursprung, die absoluten Werte und die wahre Bedeutung des Lebens. Der Ausübende wird wieder natürlich und ihm wird grenzenlose Freiheit geschenkt.

Sie verleiht wahre Kraft und innere Stabilität, gibt dem Einzelnen Zufriedenheit, vereint die Gemeinschaft der Menschen in Harmonie, führt zum gegenseitigen Verständnis, verhindert Konflikte und dient so dem Frieden. Das Studium des Aikido ist folglich für den Einzelnen und die Gemeinschaft von großem Nutzen.

Bei Ausübung dieser schönen Budo-Disziplin wird letztlich bewiesen, dass auch die Beherrschung wirksamer Selbstverteidigungstechniken zur Gewaltlosigkeit führen kann, was Ausdruck eines vollendeten Erziehungsprinzips ist.

Alle Aikidoka sollten bemüht sein, die wertvollen Inhalte ihres Weges vielen Menschen nutzbar zu machen - jeder nach seinen Möglichkeiten!

© Rolf Brand, 8. Dan Aikido