Die Kunst des freien Falles wird aus den bereits erwähnten
Schwierigkeiten nur von wenigen Aikidoka perfekt beherrscht und
kann daher als "Hohe Schule" des Ukemi bezeichnet werden.
In diese Gruppe sind alle Techniken einzuordnen, bei denen der
Ausführende während einer gewissen Bewegungs- (Wurf-)
Phase keinen Kontakt zur Matte (zum Boden) mehr hat. Der freifallende
und oft durch die umgelenkte Eigenenergie oder die positive Aktion
des Partners stark beschleunigte Körper trifft mit großer
Wucht auf die Matte.
Die Abbremsung kann entweder durch eine anschließende
(Flug-)Rolle mit starkem Einsatz der Schwerthand oder durch den
Fall seitwärts mit richtig getimtem federnden Abschlagen
erfolgen.
Alle Formen des freien Falles bedingen einen durchtrainierten
Körper und ein geschultes Unterbewusstsein, weswegen sie
erst bei der Prüfung zum 2. Kyu gefordert werden, was einer
Ausbildung von ca. zwei Jahren entspricht.
Während sich das Erlernen der Flugrollen nach vorn und
rückwärts logisch aus den vorherigen Übungsformen
ergibt, bereitet der freie Fall zur Seite grundsätzlich Schwierigkeiten.
Dies liegt daran, dass der fortgeschrittene Aikidoka es gewohnt
ist, sich während eines Wurfes instinktiv zusammenzurollen.
Nun soll er den Körper strecken, um großflächig
auf die Matte zu fallen.
Es muss nicht so sein, dass blaue Flecken im Bereich der Hüfte
von den Anstrengungen zeugen. Auch für diese schwierige Art
des Fallens empfiehlt sich die Anwendung methodischer Reihen,
die vom Einfachen (Bekannten) ausgehen und zum Schweren (Unbekannten)
führen.
Insbesondere sollten zunächst keine harten oder zu hohen
Hindernisse aufgebaut werden, vor denen der Schüler im Augenblick
der Einleitung einer Falltechnik erschrickt (Unfallgefahr!).
Für die systematische Weiterführung des Aikidoka eignen
sich folgende Übungen:
| o |
Rollen vorwärts und rückwärts
nach Bocksprung; |
| o |
Rollen über ungefährliche Hindernisse (Hallenschuhe,
Handtuch, Gürtel, Partner) dabei Vergrößerung
des Abstandes bzw. der Höhe; |
| o |
Fallen seitwärts aus dem flüchtigen Handstand-Überschlag; |
| o |
Fallen seitwärts über den Partner (Bock) mit gebeugten
bzw. gestreckten Armen; |
| o |
Fallen seitwärts mit Partnerhilfe (Fassen am Ärmel
bzw. Ausführung geeigneter Wurftechniken, z.B. Aiki-Otoshi
oder Koshi-Nage). |