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Das LN-Jugendmagazin "heftig" beim ACL

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Das Jugendmagazin "heftig" der Lübecker Nachrichten besuchte die Kinder- und Jugendgruppe des Aikido-Clubs-Lübeck e.V. und berichtete unter dem Titel "In Lübeck trainiert Deutschlands ranghöchste Aikido-Meisterin die Jugendgruppe" und "Im Handumdrehen außer Gefecht" darüber in der Ausgabe 24/2000, Seite 12. Der Aikido-Club Lübeck bedankt sich für die freundliche Genehmigung der Lübecker Nachrichten sowie des Verfassers, Herr Jan-Hendrik Bohlen, zum Nachdruck dieses Artikels.

Bruce Lee, Jackie Chan und andere Auf-die-Fresse-hau-Typen haben mit Aikido nichts am Hut. Denn dieser Sport ist friedvoll und dient nur der Selbstverteidigung. heftig hat die Jugendlichen vom Aikido-Club Lübeck besucht.

Fast das ganze, lang gestreckte Dachgeschoss ist mit grauen und rosafarbenen Schaumstoff-Matten ausgelegt. Neben dem Rascheln nackter Füße hört man immer wieder das satte Klatschen auf die Matte fallender Rücken. Dazwischen Gekicher, über das sich die knappen Anweisungen von Helga Brand erheben. Seit fast 20 Jahren trainiert sie die Kinder- und Jugendgruppe des Aikido-Clubs Lübeck, die sich einmal pro Woche in einem Raum der Grenzschutzschule in St. Hubertus trifft. Als Trägerin des fünften Meistergrads, dem Dan, ist sie nicht nur die ranghöchste Aikido-Meisterin in Deutschland, sondern gehört mit ihrem Ehemann Rolf auch zu den ranghöchsten Aikidoka Europas.

Verteidigung steht im Vordergrund
Sonja Lohf (13) ist seit drei Jahren dabei. "Ich finde Aikido gut, weil es nicht so aggressiv wie Judo oder Karate ist", erklärt sie. "Wir greifen unsere Gegner nicht an, sondern lenken ihre Angriffe auf sie selbst zurück. Außerdem macht es Spaß!" Inzwischen hat sie auch ihren Vater für Aikido begeistern können. "Wir haben beide schon den orangen Gürtel. Aber mein Vater hat ihn schneller erreicht, weil er öfter trainiert", sagt sie anerkennend.

Mit wenigen, aber effektiven Techniken wehrt der Aikidoka unbewaffnete wie bewaffnete Angreifer ab. Das machen auch Thomas Bäuml (15) und Joss Wiese (15): Mit geballter Faust schlägt Thomas in Joss' Bauchgegend. Der greift das Handgelenk des Gegners, weicht seitlich aus und zieht Thomas' Arm weiter in Schlagrichtung. Der Angreifer verliert sein Gleichgewicht und fällt zu Boden.

In einem ständig wechselnden Rollenspiel zwischen Verteidiger ("Nage") und Angreifer ("Uke") trainieren Thomas und Joss verschiedene Roll- und Wurftechniken. Dabei wird die Kraft des Angreifers umgelenkt und verstärkt auf ihn selbst zurückgeführt. Dabei soll der Angreifer nicht vernichtet, sondern belehrt werden: "Wenn ich meinen Gegner einmal zu Boden geworfen habe, kann er sich überlegen, ob er bei einem zweiten Angriff wieder zu Boden gehen will", erklärt Pressewartin Gerlind Gauhl. "Er soll seine Aggressionen aus Einsicht aufgeben."

Für den Alltag bedingt geeignet
Auf der Matte gibt es die feste Spielregel, dass der Angreifer zu Boden geht und verliert. Im Alltag sollten sich die Jugendlichen aber nicht zu früh auf ihre Techniken verlassen. "Wenn einer größer ist als ich, laufe ich lieber weg", meint Sonja. Gerlind Gauhl stimmt ihr zu: "Für den Ernstfall würde ich lieber einen Selbstverteidigungskursus bei der Polizei machen", sagt sie. "Wenn ich bei der Anwendung der Aikido-Techniken noch nachdenken muss, bin ich auf der Straße wahrscheinlich zu langsam - erst recht, wenn mein Gegner bewaffnet ist. Erst wenn der Aikidoka die Techniken spontan und reflexartig aus dem Bauch heraus ausführen könne, entfalteten sie ihre eigentliche Wirksamkeit.

"In meiner ersten Stunde habe ich mich gewundert, warum man sich am Anfang hinsetzt und ganz ruhig ist", erzählt Christoph Schatzki (12). In einer Reihe, geordnet nach Schülergraden, knien die Aikidoka zur offiziellen Eröffnung der Trainingsstunde ihrem Meister gegenüber und verbeugen sich vor ihm. Simeas Prüßmann (12) sagt: "Wir sammeln uns am Anfang und konzentrieren uns." Es folgen Aufwärm- und Fallübungen. "Zu Anfang bin ich beim Fallen immer auf den Kopf geknallt", erzählt Simeas. "Aber so richtig verletzt hat sich bei uns noch keiner."

Kostenloses Schnuppertraining
Die Anfänger beginnen fast wie beim Ballett damit, erstmal ihre Füße zu sortieren, um in die richtigen Ausgangspositionen für die verschiedenen Techniken zu kommen. In den ersten vier Wochen könnt Ihr kostenlos am Schnuppertraining teilnehmen. Dafür braucht Ihr nur einen Trainingsanzug. Wenn Ihr dann weitermachen wollt, benötigt Ihr einen weißen Aikido-Anzug (Keikogi), der mit Gürtel ca. 40,00 € kostet.

Die Anfänger binden um ihren Übungsanzug einen weißen Gürtel. Er steht für den sechsten Kyu, den untersten Schülergrad. Nach einem halben Jahr Training können sie sich zu ihrer ersten Prüfung melden. Noten gibt es dabei aber nicht. Nach jeder Prüfung dürfen die Aikidoka einen neuen Gürtel in anderer Farbe tragen. Auf den ersten Schülergrad folgen die Prüfungen zu den Meistergraden (Dan).

Das Training findet freitags von 16.45 bis 18.30 Uhr im Selbstverteidigungsraum der Grenzschutzschule, Ratzeburger Landstraße 4, statt. Zu der einmaligen Aufnahmegebühr von 15,00 € kommen 5,00 € monatlicher Beitrag für Kinder und Jugendliche. Wenn Ihr Interesse habt, schaut einfach mal auf der Homepage vorbei - http://www.aikido-luebeck.de - oder meldet Euch bei Peter Lange, Pressewart des Aikido-Clubs Lübeck, unter der Telefonnummer (04 51) 5 80 81.

Wo stammt Aikido her?
Begründer des Aikido war O-Sensei (Großer Lehrer) Morihei Ueshiba, der 1883 in Japan geboren wurde. Er entstammte einer angesehenen Samuraifamilie, deren Geschichte sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Traditionsgemäß erfolgte seine Erziehung im Geiste des Buddhismus nach den Regeln des Bushido (Weg des Kriegers). Er wurde vom bedeutsamen Meister Sokaku Takeda in Kampfeskunst (Bu-Jitsu) unterrichtet. Dabei lernte Ueshiba Aiki-Jitsu bis zur technischen Perfektion. Doch dann empfing er 1925 in mehrmonatiger Gefangenschaft die Erleuchtung: Jede Kampfeskunst könne nur wertvoll und unbesiegbar sein, wenn sie vom göttlichen Geist der schützenden Liebe und Verantwortung gegenüber allen Lebewesen durchdrungen sei. Mit dieser Erkenntnis arbeitete er eigene Kampfesregeln aus - das Aikido war entstanden

Ueshiba starb am 26. April 1969 in Tokio.