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Lieber Rolf,
so ist das nun. Nun stehe ich hier und soll anlässlich
deines 50-jährigen Budo-Jubiläums ein paar gesetzte
und vor allem wohl passende Worte sagen. Als Constanze mich
vor einigen Monaten fragte, ob ich wohl zu dieser Veranstaltung
kommen würde und zu diesem Anlass auch eine kurze Rede
halten könnte, war ich natürlich gerne und sofort
dazu bereit. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt auch
noch nicht, dass ich das im Anschluss an drei wirklich kompetente
Redner tun sollte, die deinen Lebensweg so eng begleitet
haben. Ich muss einräumen: Eine nicht ganz leichte
Aufgabe.
Nun fällt es zugegebenermaßen nicht sonderlich
schwer, etwas über die Leistungen von Rolf Brand im
Budo zu berichten. Das steht ja heute alles auch leicht
nachzulesen im Internet. Sicherlich können die Leistungen
eines wirklich engagierten Menschen, der sich seit 50 Jahren
buchstäblich jeden Tag für die Sache des Budo
einsetzt, nicht in 10 Minuten in ihrer vollen Bandbreite
dargestellt werden. Schlaglichtartig haben wir auch schon
einige Punkte hier heute Abend gehört und werden im
Laufe der Veranstaltung sicherlich noch weitere hören.
Ich möchte hier heute Abend aber noch einmal meine
Gedanken um den eigentlichen Grund dieser Veranstaltung
kreisen lassen.
50-jähriges Budo-Jubiläum von Rolf Brand
Jubiläum: die Bedeutung ist jedem klar: Festlich begangener
Jahrestag eines bestimmten Ereignisses (lateinischer Abstammung);
Budo: Weg des Kriegers, der Oberbegriff für alle japanischen
Kriegs- und Ritterkünste und deren Weiterentwicklung
unter philosophischen Aspekten;
50 Jahre: das ist ein aktives Menschenleben. Diese Bedeutung
muss man sich mal ganz in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
50 Jahre Leben, das heißt, hier hat sich ein Mensch
sein ganzes Leben intensiv mit einem Thema befasst, dieses
Thema zu seiner Aufgabe gemacht und danach gestrebt, es
soweit wie möglich zu durchdringen.
50 Jahre bedeutet Entwicklung.
So hast du, lieber Rolf, in diesen Jahren umfassende Aufbauarbeit
in vielen Vereinen und Verbänden geleistet, hier sind
sicherlich vorrangig auch der Aikido-Club Lübeck und
der Deutsche Aikido-Bund zu nennen, von denen auch ich über
so viele Jahre profitieren konnte.
In den 50 Jahren hast du viele Menschen kennen gelernt,
sicherlich nette und weniger nette (ich wünsche dir,
dass die der ersten Gruppe überwogen haben mögen).
Und du hast diese Menschen mit deinen Vorstellungen vom
Leben im Sinne des Budo beeinflusst und geprägt - wie
du es heute noch unverändert tust. Du hast - und das
meine ich sehr positiv - in diesen 50 Jahren vielfältige
Spuren hinterlassen.
50 Jahre Leben bedeuten aber auch Wandel.
Menschen kommen und gehen. Und mit ihnen wechseln die Aufgaben-
und Problemstellungen. Nicht alles, was mühsam und
mit viel Engagement aufgebaut wurde, hält auf Dauer.
Wir haben da - denke ich - zuletzt gemeinsame Erfahrungen
gemacht.
Aber nicht nur das Leben überrascht immer wieder mit
plötzlichen Wendungen, auch man selbst wandelt sich
im Laufe des Lebens. So bist auch du, lieber Rolf, sicherlich
heute nicht mehr der, der du vor 50, 30 oder 15 Jahren warst.
Auch wenn das seine Kritiker oftmals nicht wahr haben wollen.
Und dieser Wandel - meine ich - ist gut und ist ein Teil
des Lebens. Nur wenn man seinen Standpunkt gelegentlich
verändert, bekommt man einen anderen Blick auf die
Dinge. Und wenn man den Blickwinkel nicht selbst ändert,
sorgt ja oft auch das Leben dafür.
Und warum ist das so?
Weil: 50 Jahre Leben bedeutet nämlich auch Erkenntnis.
Und für deine umfangreichen Erkenntnisse und Erfahrungen
habe ich dich immer besonders geschätzt. Die Vielfältigkeit
in der du das Budo erfahren hast, vom Judo und Karate über
das Aikido bis hin zum aktuellen T'ai Chi Ch'uan, bist du
in Deutschland sicherlich die ganz große Ausnahme.
So wie ich dich seit nun auch schon ungefähr 17 Jahren
kennen gelernt habe, hast du deine Erkenntnisse immer gerne
weitergegeben. Jeder konnte dann für sich selber sehen,
ob er etwas damit anfangen kann. Ich für meinen Teil,
kann nur resümieren, alles was ich über Budo und
die damit verbundenen ethischen Grundsätze gelernt
und verinnerlicht habe, habe ich von dir. Dafür möchte
ich mich an dieser Stelle herzlich bei dir bedanken. Ebenso
für die freundschaftliche, respektvolle und immer wohl
gesonnene Weise, in der wir miteinander umgegangen sind.
Wenn ich meinen - hoffentlich nicht zu langen - Vortrag
nun schließe, möchte ich noch einmal zusammenfassen.
50 Jahre Leben für eine Sache einzusetzen ist schon
etwas ganz Besonderes. Es zeigt, dass Budo mit seinen verschiedenen
Disziplinen nicht nur irgendein Sport ist, sondern eine
Lebenseinstellung. Und es zeigt weiterhin, dass du, lieber
Rolf, da du weder durch große Erfolge noch durch empfindliche
Rückschläge von diesem Weg abgewichen bist, Budo
nicht machst, sondern Budo lebst.
Ich sagte hier heute Abend: Leben ist Entwicklung, Wandel
und Erkenntnis. Oder anders ausgedrückt - wenn man
jetzt mal die im Zen bevorzugte Ausdrucksweise heranzieht
- und das muss man als guter Aikidoka an solch einem Tag
wohl unbedingt tun - dann könnte man wohl auch sagen:
Das Selbst wandelt sich ständig
in tausenden von Situationen!
Wie ich finde, eine schöne Zusammenfassung, zeigt sie
doch, wie vielfältig 50 Jahre Leben sind, und wie wichtig
es ist, in diesem ständigen einher von Entwicklung,
Wandel und Erkenntnis flexibel zu bleiben, aber bei aller
Flexibilität sich immer auch auf für richtig befundene
Grundprinzipien besinnen zu können.
Und wie das Leben so spielt, habe ich genau diesen Satz
in japanischer Schriftweise gefunden. Eine Original-Kalligraphie
mit diesem Sinnspruch möchte ich dir gerne anlässlich
deines heutigen Ehrentages überreichen. Ich wünsche
dir, noch viele weitere schöne Stunden, die du mit
deinen Schülern verbringen kannst und noch viel Zeit
für weiteres Engagement.
gez.: Dr. Kai Kleeberg
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