Home
Festrede: Herr Erhard Altenbrandt

Seitenindex Begrüßung Aktuelles Aikido Lexikon T'ai Chi Ch'uan Organisation Statistik Interviews Aufsätze Archiv/Bilder Linkliste Impressum Home

Erhard AltenbrandtLieber Rolf, liebe Helga, liebe Gäste!

Zunächst möchte ich mich bei den Organisatoren für die Einladung zu dieser außergewöhnlichen Ehrenveranstaltung für meinen besten Freund und langjährigen Weggefährten ganz herzlich bedanken. Diese Veranstaltung war für mich so wichtig, dass ein unter meiner Leitung geplanter Internationaler Aikido-Lehrgang in Slowenien verschoben wurde, um mein Kommen zu ermöglichen.

Mein lieber Rolf, vor dem Beginn unseres Aikido-Studiums waren wir beide in den verschiedenen Kampfsportarten wie z.B. Judo und Karate aktiv. Bis 1965 gingen wir den Weg des Budo nicht in trauter Zweisamkeit, aber das sollte sich bald ändern.

Gemeinsam begannen wir im Frühjahr 1965 zunächst unter Meister Yoshimasa Kimura und später unter Meister Gerd Wischnewski mit dem Aikido. Kontakte pflegten wir einige Jahre nur per Post und Telefon, und ich war von Anfang an begeistert von deinem Enthusiasmus und Einsatz für das schöne Aikido. Mit enormen Einsatz hast du in vorbildlicher Weise für die Entwicklung des Aikido gesorgt.

Bis 1970 fanden viele Aikido-Lehrgänge unter Leitung des damaligen Bundestrainers, Gerd Wischnewski (u.a. 3. Dan Aikido), auf Landesebene statt und wir wurden bereits als "Gelbgurte" verpflichtet, Aikido-Gruppen aufzubauen. So ist es auch mir gelungen, mit deiner hervorragenden Unterstützung im administrativen Bereich, Aikido in Süddeutschland zu etablieren.

Im Jahr 1970 lernten wir uns in Dortmund-Marten anlässlich meiner Prüfung zum 1. Dan Aikido persönlich kennen. Du warst damals Uke bei Gerd Bennewitz, der ebenfalls an diesem Tag die Prüfung zum 1.Dan Aikido mit Erfolg ablegte. Diese Begegnung war sofort von gegenseitiger Sympathie geprägt. Kurz darauf hast du mich gebeten, das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Sektion Aikido des Deutschen Judo-Bundes e.V. (DJB) zu übernehmen. Natürlich habe ich ohne Zögern zugesagt, und ich bin dir heute noch sehr dankbar für dieses Angebot, das auch für meine persönliche Entwicklung von großer Bedeutung war. Mit der Einführung in dieses Amt stand auch die äußerst wichtige "Nord-Süd-Achse", denn es war zu diesem Zeitpunkt bereits wichtig, die Technik des Aikido innerhalb der Sektion Aikido zu vereinheitlichen.

In der Folge habe ich dich, mein lieber Freund und Weggefährte, als hervorragenden Strategen im administrativen Bereich erkannt, von dem ich sehr viel gelernt habe. Gerne erinnere ich mich an eine Hauptversammlung des DJB, die ich gemeinsam mit dir besuchen durfte. Deine Übersicht und dein Durchsetzungsvermögen waren unübertroffen. Unter deiner Leitung verliefen Tagungen in der Sektion Aikido des DAB immer sehr harmonisch, wenn auch manchmal unangenehme Anträge von Mitgliedern auf dem Tisch lagen. So wurden z.B. 21 Anträge eines Sportkameraden an einem Samstagabend nach dem Training stundenlang mit großer Geduld diskutiert. Nach Mitternacht verließ der Antragsteller den Tagungsraum mit der Begründung, dass er ins Bett müsse, da er am nächsten Tag früh morgens wieder zum Training erscheinen muss. Nun wurde über die 21 Anträge abgestimmt, die nach wenigen Minuten allesamt einstimmig abgelehnt wurden, da sie der Förderung des Aikido nicht dienlich waren. Das nur nebenbei.

Zunehmende Probleme innerhalb des DJB, wie z.B. der Einfluss fachfremder Personen auf die Graduierung bei Kyu- und Dan-Prüfungen der Aikidoka ließen in dir den Gedanken reifen, einen eigenständigen Aikido-Verband zu gründen. Sofort habe ich und andere Weggefährten zugestimmt. Mit sehr großem Arbeitsaufwand hast du die Gründung eines Aikido-Verbandes auf Bundesebene vorbereitet, und in gegenseitiger Absprache erfolgte 1977 die Gründung des "Deutschen Aikido-Bundes e.V.". Dies war in erster Linie dein Verdienst! Zahlreiche Vereine schlossen sich diesem neuen Verband an, der sich in der Folgezeit sehr gut entwickelte und dem Aikido auf Bundes- und Landesebene zum Durchbruch verhalf.

In Baden-Württemberg wurde zeitgleich der erste Aikido-Landesverband gegründet. Hierzu versammelten sich 19 Aikido-Vereine bzw. -Abteilungen, um gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Baden-Württembergischen Judo-Verbandes (JVBW) die Frage zu klären, ob ein Verbleib im JVBW oder ein eigenständiger Landesverband von den Anwesenden angestrebt wird. Nach heftiger Diskussion, die von Seiten des JVBW-Vorsitzenden auch mit Beleidigungen in Richtung des DAB-Präsidenten, Rolf Brand, verbunden waren, wurde abgestimmt. Die Stimmzettel landeten im Hut des Vorsitzenden des JVBW und wurden ausgezählt. Die erste Stimme begrüßte einen Verbleib im JVBW, wobei der Judo-Vorsitzende sich die Hände rieb und ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Doch die Hoffnung auf einen Verbleib der Aikidoka im JVBW wurde jäh zerstört, als alle weiteren18 Stimmen für die Gründung eines eigenständigen Aikido-Verbandes waren.

Den raschen Abgang nach diesem Ergebnis kommentierte der Vorsitzende des Judo-Verbandes mit der Bemerkung: "Und das mit meinem Hut"!

Damit war der Weg frei für die Gründung des ersten Aikido-Verbandes, die noch 1977 erfolgte, selbstverständlich als Mitglied des DAB.

Mit Wehmut muss ich heute an diese Gründerjahre zurückdenken. Wir hatten unter deiner tadellosen Führung in der Sektion Aikido im DJB sehr schöne Erlebnisse im Kreise gleichgesinnter Weggefährten, die uns stets aufs neue motiviert haben. Gerne denke ich auch an die wunderschönen Bundeslehrgänge unter deiner bewährten Leitung zurück. Deine unvergleichlich didaktisch aufgebauten Lehreinheiten sind noch heute zu bewundern.

Schmied bei der ArbeitIn Anbetracht der herben Enttäuschungen, hervorgerufen durch Verunglimpfungen, Respektlosigkeit und hinterhältiger Angriffe von Seiten des DAB, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte-, hast du dich mit einigen treuen Weggefährten vom DAB getrennt und die Aikido-Union Deutschland e.V. (AUD) gegründet. Es war dies neben der Alternative, Aikido an den berühmten Nagel zu hängen, die einzige Möglichkeit, das klassische Aikido unter Wahrung seiner Prinzipien weiter zu verbreiten. Viele Wegschüler haben sich für die Gründung der AUD ausgesprochen, und ich denke, es war die richtige Entscheidung.

Abschließend möchte ich noch auf deine wertvollen Ratschläge an deine Schüler hinweisen. Bei vielen deiner Lehreinheiten hast du immer wieder betont, dass auch der Meister noch auf dem Weg ist. Die weißen Anteile deines rot-weißen Gürtels sind Beleg dafür, dass auch ein ranghoher Meister die Quellen seiner persönlichen Entwicklung im Budo nie vergessen darf. Sowohl deine berufliche Laufbahn - sie begann als Huf- und Wagenschmied und endete als Polizeidirektor im Bundesgrenzschutz - wie auch die persönliche Entwicklung in den Budo-Disziplinen, diese gipfelten in der Graduierung zum 7. Dan Aikido, zeugen von deinem enormen Einsatz zum Wohle vieler Menschen.

Mein mitgebrachtes Geschenk soll dich stets an den Beginn deiner unvergleichlichen Laufbahn in allen Bereichen deines Lebens erinnern. Es ist ein in Bronze gegossener Huf- und Wagenschmied.

Nun noch ein Wort zu deiner lieben Frau Helga. Liebe Helga, was wären wir ohne unsere Frauen? Du hast mit großer Nachsicht dafür gesorgt, dass Rolf den nötigen Freiraum erhielt, damit seine weitgesteckten Ziele erreicht werden konnten. Dies geschah oft unter Zurückstellung persönlicher und familiärer Interessen. Dafür möchte ich dir von ganzem Herzen danken. Diese Blumen sollen dich an diesen unvergesslichen Abend und die Ehrung von Rolf noch lange erinnern.

gez.: Erhard Altenbrandt