Lieber Rolf, liebe Helga, liebe Freunde,
verehrte Gäste!
Wir sind heute hier aus einem ganz besonderem, einem nicht alltäglichen
Anlass zusammengekommen. Wir begehen das 50jährige
Budo-Jubiläum von Rolf Brand.
Es ist mir sowohl ganz persönlich als auch als Präsident
der Aikido-Union Deutschland e.V. - an deren Entstehung
und Gestaltung du lieber Rolf einen entscheidenden Anteil
hast - eine große Ehre und Freude, dieses Ereignis
würdigen zu dürfen. Gleichwohl ist es für
mich auch keine leichte Aufgabe, diese 50 Jahre erfolgreichen
Wirkens auf der Matte und in so zahlreichen ehrenamtlichen
Positionen zu würdigen. Ich selbst bin (erst) 33 Jahre
alt und habe davon mehr als 19 Jahre in der DDR verbracht.
Und obwohl ich mich seit 20 Jahren mit dem Judo und seit
10 Jahren mit dem Aikido beschäftige - ich vermeide
hier ob der im Vergleich kleinen Zahlen bewusst den Begriff
Jubiläum, reden wir einfach von einer runden Anzahl
von Jahren - kenne ich Rolfs Wirken aus persönlichem
Erleben eben nur einen Bruchteil dieser 50 Jahre.
Ich möchte daher lediglich zwei Aspekte deiner umfangreichen
Budo-Karriere, die mir aus persönlicher Erfahrung bekannt
sind, hier besonders herausstellen: Es sind dies dein langjähriges
Engagement als begnadeter Lehrer in den Budo-Künsten,
insbesondere natürlich im Aikido und dein unermüdliches
ehrenamtliches Wirken in den vielen administrativen Funktionen,
die du in den verschiedenen Sportfachverbänden ausgefüllt
hast. Den letztgenannten Punkt werde ich naturgemäß
durch dein Wirken in der Aikido-Union Deutschland illustrieren.
Dabei bemühe ich mich auch, mich kurz zu fassen. Eingedenk
der Tatsache, dass wir schon einige Redner gehört
haben und vielleicht bei dem einen oder anderen Zuhörer
die Konzentration ein wenig nachlassen könnte, verstärkt
durch das in Aussicht stehende reichhaltige Buffet. (Frei
nach dem Motto: Eine gute Rede ist wie ein Bikini: Knapp
genug, um das Interesse zu erregen, aber alle wesentlichen
Punkte abdeckend.)
Ich erinnere mich noch sehr genau an das erste Mal, als
ich dich persönlich traf. Es war im September (oder
Oktober, na ja jedenfalls im Herbst) 1995, also vor ungefähr
neun Jahren. Anlass war ein Lehrgang in Leipzig, für
den du dich, trotz deines engen Terminplanes, als Lehrer
zur Verfügung gestellt hattest, um dem neu gegründeten
Verein in Leipzig eine Starthilfe zu geben, mit Signalwirkung
für ganz Sachsen. Ich denke auch das ist symptomatisch
für dein Wirken. Ich war gerade frisch gebackener Gelbgurt
(darauf natürlich unglaublich stolz, war ich doch der
erste aus unserem Anfängerkurs), hatte wie alle braven,
aufstrebenden, interessierten Weißgurte dein Lehrbuch
gekauft, wusste also wer Rolf Brand ist und hatte also viele
tolle Dinge über das Aikido gelesen (heute weiß
ich, dass ich damals noch lange nicht alles in seiner vollen
Tragweite verstanden hatte.). Und so wollte ich mir keineswegs
die Gelegenheit entgehen lassen, all diese phänomenalen
Techniken einmal in natura zu sehen; wann hatte man als
Anfänger sonst auch die Möglichkeit den Bundestrainer
beim Werk zu sehen. So dachten wohl viele und der Lehrgang
war gut besucht, keineswegs nur von Aikidoneulingen und
interessierten Außenstehenden. Es war eine ganze Palette
von Gürtelfarben vertreten. Dies stellte dich jedoch
keineswegs vor didaktische Probleme. Es gelang dir - aus
heutiger Sicht kann ich sagen wie gewohnt - für jeden
Teilnehmer einen neuen Aspekt in den Techniken zu eröffnen
und alle zu faszinieren. Ich erinnere mich zumindest noch
an einen Teil des Lehrprogramms, wir übten Irimi-Nage
gegen Yokomen-uchi, und zwar in verschiedenen Eingangsvarianten,
einige waren mir bis dahin völlig fremd. Ich war neben
der Eleganz der Ausführung auch von deiner körperlichen
Fitness beeindruckt. So hast du z. B. einen freien Überschlag
ausgeführt, den kannte ich natürlich als Falltechnik
aus dem Judo aber du warst damals ja auch schon 63 Jahre
alt und somit war dieser freie Fall keine Selbstverständlichkeit.
Daneben stand die Weichheit der Technikausführung (wie
sie mir auch von deinen Ukes bestätigt wurde). Trotzdem
(oder aus heutiger Sicht vielleicht gerade deswegen) waren
die Techniken scheinbar wirksam. Scheinbar sage ich, weil
mir einige Techniken als Außenstehender unglaublich
vorkamen. Und ich ihre Wirksamkeit nicht am eigenen Leibe
testen konnte. Das Privileg, dich als Uke anzugreifen, hatte
ich erst etliche Jahre später auf einem Wochenlehrgang.
Bis dahin glaubte ich dann schon an die Effizienz korrekt
ausgeführter Aikidotechniken und fand dies durch dich
bestätigt. Seit diesem ersten Lehrgang habe ich viele
weitere Lehrgänge mit dir als Lehrer besuchen dürfen
und es ist mir stets neben der technischen Meisterschaft
(die ich als Schüler auf dem Weg nur bedingt bewerten
kann) die didaktisch-methodische Meisterschaft aufgefallen,
letztere kann ich aus beruflichen Gründen besser einschätzen.
du verstehst es stets, den Lehrstoff den Schülern angemessen
zu vermitteln, eine Fähigkeit, die bei weitem nicht
allen auch technisch guten Budomeistern innewohnt; die durch
die erfolgreiche Entwicklung deiner direkten und indirekten
Schüler aber immer wieder bestätigt wird.
Ein zweiter wichtiger Aspekt deines unermüdlichen
Wirkens um die Verbreitung des klassischen Aikidos ist -
neben der eben genannten technischen Meisterschaft - deine
langjährige und umfangreiche administrative Arbeit.
Die Bereitschaft, über das eigene berufliche Interesse
hinausgehende öffentliche Aufgaben zu übernehmen
und sich in Ehrenämtern für die Entwicklung der
Gesellschaft und das Wohl der Allgemeinheit zu engagieren
hat in den letzten Jahrzehnten in unserer Gesellschaft deutlich
abgenommen. Eine Entwicklung der du auch durch dein persönliches
Vorbild stets entgegengetreten bist. Viele Bürgerinnen
und Bürger unserer "Dienstleistungsgesellschaft"
betrachten auch den Sportverein oder -verband als eine Art
Dienstleistungsunternehmen bei dem man Kosten und Nutzen
gegeneinander abwägt und dessen Angebote in Anspruch
genommen werden ohne dass eine persönliche Identifikation
mit der Gemeinschaft des Vereines oder Verbandes notwendig
wäre. Ich wage nicht zu prognostizieren, wo die Entwicklung
des Aikido in Deutschland heute angelangt wäre, wenn
du auch so gehandelt hättest.
Du hast in deinem Leben viele Verbände und Vereine,
sowohl auf Landes- als auch auf Bundes- und europäischer
Ebene, gegründet und in leitenden Funktionen über
viele Jahre intensiv mitgearbeitet. Dabei hast du viel Zeit
und Arbeit investiert, häufig unter Zurückstellung
persönlicher Interessen. Bei dieser Gelegenheit möchte
ich deiner Frau Helga danken, dass sie dies stets toleriert
hat und dich nach Kräften unterstützte. Am Beispiel
der Gründung der Aikido-Union Deutschland, die du gemeinsam
mit deinem langjährigen Weggefährten Erhard Altenbrandt
initiiert hast, möchte ich kurz den Umfang dieser stillen,
weil häufig hinter den Kulissen ablaufenden Arbeit
einordnen. Fast das gesamte Regelwerk auf dem die Arbeit
der AUD fußt, stammt - zumindest in einem ersten Entwurf
- aus deiner Feder oder du hast zumindest einen entscheidenden
Anteil an Ihrer Entstehung. Es sind dies zum Beispiel die
Satzung, die Prüfungsordnungen Kyu und Dan nebst den
zugehörigen Verfahrensordnungen, die Ehren- und die
Schiedsgerichtsordnung und in neuerer Zeit die noch von
der Hauptversammlung zu beschließende Übungsleiterordnung.
Soweit ich weiß. hattest du ein ähnlich umfangreiches
Regelwerk bereits einmal im Deutschen Aikido-Bund entwickelt.
Deine Sorgfalt und Umsichtigkeit und auch dein Weitblick
bei der Entwicklung dieses Regelwerks - Ausdruck deiner
fachlichen Kompetenz auch auf diesem Gebiet - haben uns
dabei im Umgang mit den zuständigen Behörden manche
zeitaufwendige Rückfrage oder unangenehme Überraschung
erspart. du hast uns beim Aufbau von arbeitsfähigen
Strukturen innerhalb der AUD stets mit Rat und Tat zur Seite
gestanden, du hast immer ein offenes Ohr und eine helfende
Hand für die Organe der AUD und ihre Mitglieder. Dafür
sei dir hier noch einmal ausdrücklich gedankt.
Ich habe es bewusst vermieden, an dieser Stelle alle Stationen,
Ehrenämter, Lizenzen und Ehrungen oder auch die fachlichen
Veröffentlichungen deiner 50jährigen Budo-Karriere
(Bundes- und Regionaltrainer, Präsident und Vorsitzender,
Generalsekretär und Ehrenpräsident oder Träger
des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens
der Bundesrepublik Deutschland) einzeln zu nennen. Selbstverständlich
ohne die Leistungen schmälern zu wollen. Aber ich denke,
sie sind den Anwesenden ohnehin bekannt. Ich habe mich daher
auf die beiden genannten Aspekte beschränkt.
Du hattest auf deiner 50jährigen Wanderschaft auf
dem Weg viele schöne Erlebnisse aber auch herbe Enttäuschungen
und Anfeindungen. Getreu dem Goethe-Wort "Es ist die
lächerlichste Prätention, allen gefallen zu wollen",
bist du deinen Weg stets geradlinig und idealistisch gegangen.
Du hast deine eigenen eindeutigen Überzeugungen immer
offen auch gegen äußere Widerstände vertreten
und damit nicht nur Freunde gewonnen. Aber "viel Feind,
viel Ehr" oder wie du selbst immer sagst: "Manche
Menschen sind ein Teil der mit dem Weg verbundenen Prüfungen".
Ich wünsche dir und deiner Familie persönlich
und im Namen der Aikido-Union Deutschland alles erdenklich
Gute. Ich hoffe, dass du uns noch lange als Meister und
Lehrer aber auch als Ratgebender und Vorbild im Sinne meiner
Ausführungen erhalten bleibst. Getreu dem Motto: "Älter
werden ist überhaupt nicht schwer, solange man es selber
nicht mitkriegt", wünsche ich Dir noch viele aktive
und erfüllte Jahre.
In Anlehnung an die internationale Ausprägung und
Verbreitung des Aikido, die du auch stets tatkräftig
unterstützt hast, darf ich dir im Namen der AUD ein
kleines Präsent überreichen.
Dr. Dirk Bender
Präsident der Aikido-Union Deutschland e.V |