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Festrede: Frau Brigitte Praga

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Brigitte PragaLieber Rolf,

50 Jahre Budo-Sport - ein besonderer Geburtstag - welch lange Zeit zu schaffen und zu wirken. Das sind 18.250 Tage und mehr als 4 x 100.000 Stunden der Freude, der Lust, der Mühen und des Ackerns und du möchstest sicher keine missen.

50 Jahre Budo bedeutet 50 Jahre beständige, engagierte, unermüdliche Arbeit auf der Matte, im Verband und in öffentlichen Gremien. Dies verdient unser aller Respekt und Hochachtung und für dich einen Rückblick in Zufriedenheit, Stolz und Gelassenheit hinsichtlich deines Wirkens.

All dein Einsatz und deine Ansprengungen waren und sind immer noch der Verbreitung, Entwicklung und Vereinheitlichung des Aikido gewidmet. Diese Zielsetzung zu verfolgen und durchzusetzen ist für dich nur in einem funktionierenden, nach klaren Organisationstrukturen gegliederten Verband möglich - und richtig.

Es forderte von dir stets aufs neue großes zeitliches, ideelles und soziales Engagement und Anpassung und vor allem eine freiwillige, sehr disziplinierte Bindung, die auch die Bereitschaft beinhaltete, persönliche Interessen zurückzustellen. Dein Blick galt stets der Stärkung und der Einheit des Verbandes.

Dein unerschöpflicher Einsatz als Lehrer und Funktionsträger im Verein und Verband des Aikidos über die Jahre ist beispielhaft und unübertrefflich.

Da waren natürlich auch Enttäuschung und Frustation in der Auseinandersetzung, wenn dein Einsatz, dein Wirken, dein "good will" nicht verstanden, nicht genügend gewertet oder mit der Arroganz der Jugend einfach ignoriert wurde.

Diese Auseinandersetzungen haben viel Kraft gekostet und nur die tiefe Überzeugung der Richtigkeit deines Tuns und die Verbundenheit zu deinen Schülern haben dich stets neu motiviert, dich nicht zurückzuziehen, sondern deinen Erfahrungsschatz an uns weiterzugeben.

Du hast weitreichende Entscheidungen getroffen, Trennungen vorgenommen und wieder und wieder einen Anfang mit Ausdauer gestaltet. Wir haben mit dir einen neuen Verband gegründet. Du hast dich aus dieser Verbandsarbeit herausgezogen und wie du gesagt hast, "der Jugend" das Feld überlassen.

Doch bisher warst du nicht nur wenn es "brandte" stets zur Stelle und hattest immer eine leere verbindende Hand frei und hast sofort tatkräftig Hilfestellung geleistet, die wir in unserer Unerfahrenheit und "Jugendlichkeit", was die Verbandsarbeit angeht, gerne in Anspruch genommen haben und auch weiterhin nehmen möchten.

Wir sagen "Danke" für deine Verlässlichkeit und Verbundenheit und freuen uns auf ein weiteres Stück Weg gemeinsam. Zum Abschluss möchte ich einige kluge Worte vorlesen, die zu dir und deiner Wegstrecke von 50 Jahren hervorragend passen und mich sehr beeindruckt haben! Sie sind aus dem Buch "Der nackte Kaiser" von Nossrat Peseschkin (einem Pädagogen)

Eine Geschichte auf dem Weg

Jugend ist nicht ein Lebensalter - sie ist eine Verfassung des Geistes, eine Stimmung des Willens, die Beschaffenheit der Ideen, die Lebenskraft des Gemütes, eine Vorherrschaft des Mutes über die Ängstlichkeit, der Lust zum Abenteuer über die Neigung zur Bequemlichkeit.

Niemand wird alt nur durch die Reihe der Jahre; alt werden wir nur, wenn wir unsere Ideale aufgeben. Jahre fälteln die Haut; gibt man aber die Begeisterung auf, so zerknittert die Seele. Verdruss und Zweifel, Selbst-Misstrauen, Furcht und Verzweiflung - dies sind die langen, langen Jahre, die uns den Kopf beugen und den strebenden Geist hinab in den Staub wenden.

Du bist
So jung wie dein Glaube und so alt wie deine Zweifel,
so jung wie dein Selbstvertrauen und so alt wie deine Angst,
so jung wie deine Hoffnung und so alt wie deine Verzagtheit.

Ob Siebzig oder Siebzehn: In jedem lebendigen Herzu lebt die Liebe zum Wunder, das entzückte Staunen zu den Sternen, zu den sternenhaften Dingen und Gedanken und zur fruchtlosen Begegnung mit den Ereignissen; es lebt das unstillbare, kindhafte Verlangen nach dem nächsten Neuen, nach der Freude und dem Spiel des Lebens.

Solange dein Herz die Botschaften der Schönheit, der Freude, des Mutes, der Größe und der Macht verspürt, die von der Erde, den Menschen und vom Unendlichen ausgehen, so lang bist du jung.

gez.: Brigitte Praga