|
Lieber
Rolf,
50 Jahre Budo-Sport - ein besonderer Geburtstag - welch lange
Zeit zu schaffen und zu wirken. Das sind 18.250 Tage und mehr
als 4 x 100.000 Stunden der Freude, der Lust, der Mühen
und des Ackerns und du möchstest sicher keine missen.
50 Jahre Budo bedeutet 50 Jahre beständige, engagierte,
unermüdliche Arbeit auf der Matte, im Verband und in
öffentlichen Gremien. Dies verdient unser aller Respekt
und Hochachtung und für dich einen Rückblick in
Zufriedenheit, Stolz und Gelassenheit hinsichtlich deines
Wirkens.
All dein Einsatz und deine Ansprengungen waren und sind immer
noch der Verbreitung, Entwicklung und Vereinheitlichung des
Aikido gewidmet. Diese Zielsetzung zu verfolgen und durchzusetzen
ist für dich nur in einem funktionierenden, nach klaren
Organisationstrukturen gegliederten Verband möglich -
und richtig.
Es forderte von dir stets aufs neue großes zeitliches,
ideelles und soziales Engagement und Anpassung und vor allem
eine freiwillige, sehr disziplinierte Bindung, die auch die
Bereitschaft beinhaltete, persönliche Interessen zurückzustellen.
Dein Blick galt stets der Stärkung und der Einheit des
Verbandes.
Dein unerschöpflicher Einsatz als Lehrer und Funktionsträger
im Verein und Verband des Aikidos über die Jahre ist
beispielhaft und unübertrefflich.
Da waren natürlich auch Enttäuschung und Frustation
in der Auseinandersetzung, wenn dein Einsatz, dein Wirken,
dein "good will" nicht verstanden, nicht genügend
gewertet oder mit der Arroganz der Jugend einfach ignoriert
wurde.
Diese Auseinandersetzungen haben viel Kraft gekostet und nur
die tiefe Überzeugung der Richtigkeit deines Tuns und
die Verbundenheit zu deinen Schülern haben dich stets
neu motiviert, dich nicht zurückzuziehen, sondern deinen
Erfahrungsschatz an uns weiterzugeben.
Du hast weitreichende Entscheidungen getroffen, Trennungen
vorgenommen und wieder und wieder einen Anfang mit Ausdauer
gestaltet. Wir haben mit dir einen neuen Verband gegründet.
Du hast dich aus dieser Verbandsarbeit herausgezogen und wie
du gesagt hast, "der Jugend" das Feld überlassen.
Doch bisher warst du nicht nur wenn es "brandte"
stets zur Stelle und hattest immer eine leere verbindende
Hand frei und hast sofort tatkräftig Hilfestellung geleistet,
die wir in unserer Unerfahrenheit und "Jugendlichkeit",
was die Verbandsarbeit angeht, gerne in Anspruch genommen
haben und auch weiterhin nehmen möchten.
Wir sagen "Danke" für deine Verlässlichkeit
und Verbundenheit und freuen uns auf ein weiteres Stück
Weg gemeinsam. Zum Abschluss möchte ich einige kluge
Worte vorlesen, die zu dir und deiner Wegstrecke von 50 Jahren
hervorragend passen und mich sehr beeindruckt haben! Sie sind
aus dem Buch "Der nackte Kaiser" von Nossrat Peseschkin
(einem Pädagogen) Eine
Geschichte auf dem Weg
Jugend ist nicht ein Lebensalter - sie ist eine Verfassung
des Geistes, eine Stimmung des Willens, die Beschaffenheit
der Ideen, die Lebenskraft des Gemütes, eine Vorherrschaft
des Mutes über die Ängstlichkeit, der Lust zum Abenteuer
über die Neigung zur Bequemlichkeit.
Niemand wird alt nur durch die Reihe der Jahre; alt werden
wir nur, wenn wir unsere Ideale aufgeben. Jahre fälteln
die Haut; gibt man aber die Begeisterung auf, so zerknittert
die Seele. Verdruss und Zweifel, Selbst-Misstrauen, Furcht
und Verzweiflung - dies sind die langen, langen Jahre, die
uns den Kopf beugen und den strebenden Geist hinab in den
Staub wenden.
Du bist
So jung wie dein Glaube und so alt wie deine Zweifel,
so jung wie dein Selbstvertrauen und so alt wie deine Angst,
so jung wie deine Hoffnung und so alt wie deine Verzagtheit.
Ob Siebzig oder Siebzehn: In jedem lebendigen Herzu lebt die
Liebe zum Wunder, das entzückte Staunen zu den Sternen,
zu den sternenhaften Dingen und Gedanken und zur fruchtlosen
Begegnung mit den Ereignissen; es lebt das unstillbare, kindhafte
Verlangen nach dem nächsten Neuen, nach der Freude und
dem Spiel des Lebens.
Solange dein Herz die Botschaften der Schönheit, der
Freude, des Mutes, der Größe und der Macht verspürt,
die von der Erde, den Menschen und vom Unendlichen ausgehen,
so lang bist du jung. gez.:
Brigitte Praga |
|
|