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Festrede: Herr Dr. Björn Rahlf

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Dr. Björn RahlfLieber Rolf, liebe Helga, liebe Gäste!

50 Jahre im Dienst des Budo, ein Jubiläum, das wohl die wenigsten hier im Raum je feiern werden. Aber nicht nur 50 Jahre Budo, sondern auch 50 Jahre ehrenamtliches Engagement!

Als ich vor ungefähr zwei oder drei Monaten gefragt worden bin, ob ich anlässlich dieser Jubiläumsfeier eine kleine Rede halten kann, war ich auf der einen Seite sehr stolz, dass ich gefragt wurde, auf der anderen Seite aber auch sehr unsicher, was ich dir, mein lieber Rolf, sagen kann.

Aber ich wusste, was ich nicht wollte: ich wollte keine sture Aufzählung deiner zahllosen Ehrenämter und keine formelle Rede, als Vorsitzender des Landesverbandes, denn dafür ist unsere Bindung für mich zu persönlich. Vielmehr wollte ich über deine kleinen und großen Eigenheiten, deine Visionen und Ziele und über deine Vorstellungen des menschlichen Miteinander reden, weil ich glaube, dass darin, zumindest für mich persönlich, deine wahren Erfolge liegen.

Das zweite, was uns Kopfzerbrechen machte, und ich sage an dieser Stelle uns, weil daran viele beteiligt sind, war, was wir dir zu so einem Anlass schenken können? du, der eigentlich alles besitzt, oder sich seine Wünsche oft selbst erfüllt. Wir haben uns dann für ein Bild entschieden, und ich habe mich entschlossen, dieses Bild zu beschreiben und damit verbunden auch das ein oder andere von dir zu erzählen.

Die Künstlerin, Sylke Gande, die selbst Aikido betreibt, nennt dieses Bild "Weg des Wassers". Nun muss man wissen, dass im japanischen das Wasser symbolisch für das Ki steht, also könnte man diesem Bild auch den Titel "Weg des Ki" geben.

Was zunächst auffällt ist, dass es ein dreigeteiltes Bild ist. Die Dreiheit finden wir ja in vielen Bereichen: Vater, Sohn und heiliger Geist; Mann, Frau und Kind aber auch These, Antithese und Synthese, welches wir alle ja auch auf und außerhalb der Matte täglich trainieren.

Weg des Wassers Auf dem linken Bild überwiegt die goldene Farbe: Gold steht für das Solare, für Ausstrahlung, aber auch für etwas, was erworben und gelernt wurde, verinnerlicht und zusammengeführt, anschließend aber auch weitergegeben werden kann. Man kann sehen, wie das Ki aus den Händen fließt!

Was ich immer an dir bewundert habe, ist deine Fähigkeit und deine Bereitschaft neues zu lernen. Als ich vor ca. 12 oder 13 Jahren zu dir nach Lübeck zum Training kam und so langsam ein enger Schüler wurde, kam was immer kommt, wenn man sich im engeren dunstkreis ranghoher Meister befindet, ich bekam ein Bundesamt als Bundesreferent Public Relations des Deutschen Aikido-Bundes e.V. an die Backe und wurde mit der Erstellung der Verbandszeitung "aikido aktuell" betraut. Zunächst bekam ich eine Einweisung in den Atari. Vom "Karajan des Atari", so wurdest du ja wohl genannt, bekam ich, der keine Ahnung von Computern hatte, meine ersten Unterweisungen. Und eigentlich hast du nie den Wechsel auf den PC und Windows gewollt, hast immer gesagt, das können die nach dir machen. Und nun... ich kenne kaum jemanden, der so gut mit dem PC umgehen kann, wie du. Und auch das hast du mir beigebracht. Oder das Internet: weil dir die Webseiten oft nicht gefielen, hast du dich auch in die Erstellung von Internetseiten eingearbeitet, wer macht das schon und mal ganz ehrlich, wer in deinem Alter! Danke dafür, dass du nie müde geworden bist, meine ständig anstehenden Fragen zu beantworten und dein "Gelerntes" weiter zu geben.

Der mittlere Teil des Bildes zeigt ein Verschmelzen von Uke und Nage, wobei der Nage etwas von seinem "Gelernten", von seinem Ki in diese Bewegung hinein gibt, es kommt eine gemeinsame Energieform zustande, symbolisiert durch die goldene Kugel im Zentrum der Bewegung. Gleichzeitig soll der Partner etwas dabei lernen.

Auch dieser Teil des Bildes zeigt einen Teil deiner Persönlichkeit: wenn du dich für etwas entschieden hast, dann bist du jemand, der sein Ziel konsequent verfolgt, der sich von kleinen, aber auch großen Schwierigkeiten nicht vom "Weitermachen" abhalten lässt. Ich erinnere nur an diverse Verbandsgründungen mit zum Teil erheblichen Schwierigkeiten. Aber nicht genug damit, dass du diesen Weg gehst, du verstehst es eben meisterhaft auch andere zu begeistern und auf diesen Weg mitzunehmen. Ihnen Wege zu ebnen, auf denen sie dann selbst gehen können. Gleichzeitig kann man aber auch sicher sein, dass man bei Bedarf die ein oder andere Belehrung erhält. Wie sagst du immer so schön: "Jeder hat Anspruch auf seine Belehrung". Als ich 1996 auf dem Herzogenhorn meine Prüfung zum 3. Dan machen sollte, fiel mein Uke am Abend davor wegen einer sich anbahnenden Grippe aus. Anfangs hielt ich dass für einen schlechten Scherz, aber als er dann am Prüfungstag morgens mit dem Schal um den Hals gewickelt zum Frühstück kam, wusste ich, das ist kein Scherz. Daraufhin habe ich dir meinen Unmut bekundet, das einzige was du erwidertest war: "Gute Samurais bekommen gute Prüfungen, harte Samurais harte!". Dann bist du weiter gegangen.

Im dritten Teil des Bildes überwiegt nun die blaue Farbe, das Ki wird wieder materialisiert, man kann sehen, wie es in einem Wirbel nach oben zieht, um dann in einem Bodenhebel zu enden. Das Ki fließt wieder zurück in die Erde und der Kreis ist damit geschlossen. Am Ende der Bewegung sollten Uke, aber auch Nage etwas gelernt haben und gehen mit anderem Bewusstsein aus dieser Begegnung.

Und ich denke, auch dies ist Teil deiner Persönlichkeit. Obwohl ich viele Menschen kenne, die aus Ehrfurcht oder Respekt sich nicht trauen das Gespräch mit dir zu suchen, sind meine Erfahrungen da ganz anders gewesen. Ich hatte nie Scheu, dir irgendetwas zu sagen, auch wenn ich wusste, dass du anderer Meinung sein könntest. Guten Argumenten gegenüber hast du dich nie verschlossen und ich habe es oft erlebt, dass du dann eingelenkt hast. Du bist nämlich gar nicht so stur, wie du uns immer glauben machen willst!

Zum Abschluss möchte ich mich einem Satz anschließen, den Christiane mal vor einigen Jahren in einer Rede für dich, ich kann mich nicht mehr an den Anlass erinnern, ich weiß nur, es war in Boostedt, gesagt hat: Christiane sagte so sinngemäß - Rolf ist ein Mensch, den man mag oder nicht, es gibt keinen Mittelweg!

Dem kann ich mich nur anschließen und obwohl du sicherlich Enttäuschungen auf dem Weg hinnehmen musstest, ist doch wichtig was am Ende übrig bleibt, hier sind jedenfalls alles Menschen, die dich mögen und sehr schätzen und ich glaube das wiegt alles andere auf!

Ich wünsche dir alles Gute, beste Gesundheit und noch viel Energie, damit du möglichst viele deiner Träume verwirklichen kannst. Und ich möchte mich bei dir bedanken, für alles, was du mir beigebracht hast.

Hinter jedem starken Mann steht ja bekanntlich auch ein starke Frau. Liebe Helga, ich denke auch dir gebührt Dank, aber nicht nur dafür, dass du all die Jahre Rolfs zweite Liebe geduldet hast, sondern auch dafür, das du selbst für viele Aikidoka zum Vorbild geworden bist. Wir alle lieben deinen flotten Ton bei der Aufwärmung und deine gerade und direkte Art in Gesprächen. Ich kenne kaum jemanden, der trotz der ganzen Zeit so motiviert Lehrgänge besucht und immer wieder bereit ist, andere mitzureißen. Ich finde, du bist eine klasse Frau und der perfekte Gegenpol zu Rolf, als Team seid Ihr unschlagbar!

gez.: Dr. Björn Rahlf