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Dankesrede: Herr Rolf Brand

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Rolf BrandLiebe Helga, geehrte Meisterinnen und Meister,
geschätzte Weggefährtinnen und Weggefährten,
treue Schülerinnen und Schüler!


Da ich die idealistische Einstellung und das Engagement der Vorstandsmitglieder des Aikido-Clubs Lübeck e.V. kenne, wurde mir trotz der verordneten strikten Geheimhaltung bald klar, um was es bei dieser Feier ging.

Meinen Dank und die kurze Reflektion über meine nun 50-jährige Wanderschaft auf verschiedenen Wegen, die in Japan als "Do" bezeichnet werden, möchte ich unter das Motto "Mensch" stellen.

Hito = Mensch In einer Zeit der steigenden Individualisierung und des damit leider auch zunehmenden Egoismus von Menschen, Führungseliten und Gruppen ist die folgende Interpretation des Schriftzeichens "Hito = Mensch" durch den Zen-Meisters Tetsuo Nagaya nicht nur eine Feststellung, sondern auch eine Mahnung: "Der Mensch braucht immer eine Stütze!"

Trotz der feierlichen und fröhlichen Stimmung darf ich daran erinnern, das auch unser Leben ein Weg (Do) ist, der mit der Geburt beginnt und mit dem Tode endet. Die Erinnerung an diese oft verdrängte Tatsache entspricht dem Wesen aller Kampfkünste. Sie relativiert viele Probleme des Alltags, ermöglicht aber auch ein bewusstes Erleben der schönen Wegstrecken, die wir mit Unterstützung oder in Begleitung anderer Menschen zurücklegen dürfen.

Als ich im April 1952 als 20-jähriger in den Bundesgrenzschutz (BGS) eingestellt wurde, hatte ich meine Lehre als Huf- und Wagenschmied mit dem Gesellenbrief abgeschlossen und 3 Jahre als Bergmann unter Tage gearbeitet. In diesen für den elternlosen Rolf Brand harten Jahren habe ich den Wert guter zwischenmenschlicher Beziehungen schnell erkannt. Insbesondere bei der gefährlichen Arbeit "unter Tage" musste man sich auf "seinen Kumpel" verlassen können und sich selbst vorbehaltlos für ihn einsetzen.

Im BGS habe ich eine neue Heimat sowie viele Vorgesetzte und Kameraden getroffen, die meine Schwächen konsequent aufgezeigt und meine Begabungen wohlwollend gefördert haben. Dadurch konnte ich meinen beruflichen Weg im Jahre 1992 als Polizeidirektor im BGS erfolgreich beenden.

In Verbindung mit dem beruflichen Anforderungsprofil eines BGS-Beamten bin ich 1954 in den Lübecker Judo-Club e.V. eingetreten. Diese damals eher pragmatische Entscheidung für die in unserem Lande allein bekannte Budo-Disziplin war für meine menschliche, berufliche und sportliche Entwicklung sehr bedeutend.

Im Jahre 1956 standen die Sterne für mich besonders günstig, denn ich sah meine liebe Frau Helga zum ersten Mal. Auf die Einzelheiten dieser schicksalhaften Begegnung möchte ich aus Zeitgründen nur kurz eingehen: Ein zaghaftes "Darf ich Sie um den nächsten Tanz bitten?" - so war das damals! - ein Blick in die strahlenden Augen einer erfolgreichen Sportlerin und - das Ergebnis ist bekannt. Bald 50 Jahre eine glückliche und harmonische Ehe mit Helga, die eine exzellente Sportlerin und respektierte Aikido-Meisterin ist und immer Verständnis für meine "zweite Liebe" sowie die damit verbundenen zeitaufwendigen Ambitionen aufgebracht hat.

Was will "Mann" mehr?!

Ganz herzlichen Dank, liebe Helga, für die langjährige und glückliche Beziehung! Ich hoffe sehr, dass wir unseren gemeinsam Weg noch lange wie bisher und bei guter Gesundheit erleben können.

Im sportlichen Umfeld habe ich viele Menschen getroffen, die unter Zurückstellung beruflicher, familiärer und finanzieller Interessen in Ehrenämtern tätig waren. Sie haben mit ihrer idealistischen und engagierten Arbeit ein Beispiel von der Bedeutung des Miteinander gegeben und Werte geschaffen, die für viele Menschen von großem Nutzen waren.

Leider lässt es die Zeit nicht zu, jeden Einzelnen in der gebührenden Form zu würdigen. Aus diesem Grunde möchte ich mich stellvertretend an einige der hier anwesenden Freunde und Weggefährten wenden:

Allen voran danke ich meinem brüderlichen Freund und Mentor, Herrn Max Depke. Er hat trotz mancher Widerstände und Anfeindungen viele Jahrzehnte vorbildlich und selbstlos in humanitären und sportlichen Organisationen gewirkt. Die Lebensleistung dieses Mannes ist grandios. Max war für mich nicht nur Lehrer, Partner und Berater, sondern auch ein Förderer, dem ich immer gern gefolgt bin. Dabei habe ich mich bemüht, ihn nach besten Kräften bei der Verwirklichung seiner wertvollen Ziele zu unterstützen. Herzlichen Dank, lieber Max, für deine langjährige freundschaftliche Zuwendung.

Ein besonderer Dank gilt meinem besten Freund und langjährigen Weggefährten, Herrn Erhard Altenbrandt, der die Entwicklung des Aikido in Europa und Deutschland in Spitzenfunktionen organisatorisch und technisch maßgeblich geprägt hat. Erhard hat mir seine Gefolgschaft und seine Unterstützung auch in schwierigen Zeiten nie versagt. Im Zusammenhang mit der Gründung des Deutschen Aikido-Bundes e.V., die mit großen Problemen verbunden war, habe ich auf Erhard bezogen festgestellt: "Der gute Freund ersetzt eine Armee!". An dieser Aussage hat sich bis heute nichts geändert. Herzlichen Dank, lieber Erhard für deine langjährige treue Freundschaft!

Gern danke ich meiner Meisterschülerin, Frau Margarete-Luise, die mir in schwierigen Zeiten nicht nur warmherzigen Trost spendete, sondern auf meine Bitte auch bereit war, das Amt der 1. Vorsitzenden des Aikido-Verbandes Schleswig-Holstein e.V. zu übernehmen. Sie hat mich damit sehr entlastet, obwohl sie wusste, dass die Administration und Organisation nicht zu ihren Lieblingstätigkeiten zählten. Herzlichen Dank, liebe Christiane, für deine Fürsorge und langjährige Unterstützung.

Ein Verbands-Präsident oder -Vorsitzender kann nur dann erfolgreich wirken, wenn er von einem Team gleich gesinnter Menschen begleitet wird, die bereit sind, ihre Fähigkeiten, ihre Kraft und ihre Zeit in den Dienst der gemeinsamen Sache zu stellen.

In diesem Zusammenhang danke ich heute stellvertretend für die vielen engagierten Aikidoka auf Bundes-, Landes- und Vereinsebene meinen Meisterschülerinnen bzw. Meisterschülern Frau Brigitte Praga, Herrn Eckhard Claassen, Herrn Dr. Kai Kleeberg und Herrn Dr. Björn Rahlf sehr herzlich. Damit verbinde ich die Hoffnung, dass wir den Weg des Aiki noch lange und in Freundschaft gemeinsam erforschen können.

Nach großen Problemen, die meinen Freund Erhard Altenbrandt und mich zwangen, den Deutschen Aikido-Bund e.V. zu verlassen, fanden sich treue Weggefährten, die bereit waren, die mit einer neuen Verbandsgründung verbundene Arbeit auf sich zu nehmen. Als Repräsentant und in Vertretung dieser Aikidoka danke ich dem Präsidenten der Aikido-Union Deutschland e.V., Herrn Dr. Dirk Bender, sehr herzlich für sein Engagement. Mit der Gründung dieses Bundesverbandes wurde die Möglichkeit geschaffen, die Lehre und Technik des von O Sensei Morihei Ueshiba geschaffenen Aikido zu erhalten und unverfälscht zu verbreiten.

Mein verehrter Lehrer, der bedeutende Aikido-Meister André Nocquet, direkter Schüler des Aikido-Begründers und 8. Dan Aikido, hat mir am 06. November 1987 bei der Verleihung des 6. Dan Aikido den rot-weißen Gürtel mit folgender Ermahnung übergeben: "Die roten Anteile symbolisieren das 'Feuer des Herzens', mit dem sich der Träger für die Verbreitung des Aikido einsetzen soll. Die weißen Anteile sollen ihn daran erinnern, dass er gleichzeitig ein Schüler des Weges (Do) ist!."

Getreu dieser Ermahnung habe ich mich immer bemüht, auch ein Schüler zu sein. Dies gilt sowohl für das Verhalten gegenüber meinen vielen Weggefährtinnen und Weggefährten als auch bezüglich der Suche nach neuen Erfahrungen.

Aus diesem Grunde habe ich im Alter von 60 Jahren mit dem Studium des T'ai Chi Ch'uan begonnen und nach einigen Wirren am 26. September 2000 in Herrn Stephan Hagen einen Lehrer gefunden, der die technischen Inhalte dieser wertvollen Kampfkunst meisterlich beherrscht und ihre Prinzipien auch vorlebt. Herzlichen Dank, lieber Stephan, für die mir in der 4-jährigen Lehrer-Schüler-Beziehung vermittelten Erkenntnisse und die heutige Demonstration deines Könnens.

Dem 2. Vorsitzenden des Aikido-Clubs Lübeck e.V., Herrn Hansjörg Biesenbach, sowie allen Vorstandsmitgliedern und den involvierten Vereinsmitgliedern danke ich sehr herzlich für die Planung, Vorbereitung und Abwicklung dieser Jubiläumsveranstaltung, die mich sehr beeindruckt und erfreut hat.

Über die in den Grußworten zum Ausdruck gebrachte und wohlwollende Beurteilung meiner Bemühungen zur Verbreitung des Aikido habe mich sehr gefreut.

Abschließend möchte ich den vielleicht entstandenen Eindruck trüben, dass meine Wanderung immer eine von Glücksgefühlen getragene Selbstverwirklichung war.

Leider bin ich auch Meistern, Weggefährten und Schülern begegnet, denen das große Wort wichtiger war, als die kleine Tat. Einige haben die Ideale des Aikido und ihre langjährigen Lehrer verraten, um sich kleinliche Vorteile zu verschaffen oder um sich selbst zu erhöhen. Dazu möchte ich nur feststellen, dass manche Menschen eben ein Teil der mit dem Weg (Do) verbundenen Prüfungen sind. Da ernsthafte Kritiker und Gegner immer auch unsere Schwächen bloßlegen, sollten wir die mit den Auseinandersetzungen verbundenen Hinweise und Erkenntnisse ernst nehmen.

Letztlich gilt noch immer die alte Samuraiweisheit: "Ein Fall ist keine Niederlage, wenn man sich wieder erhebt!"

Ich wünsche uns allen, dass wir auch künftig aufrichtige Lehrer und treue Gefährten finden, die uns in menschlicher und sportlicher Verbundenheit auf dem weiteren Weg begleiten.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

gez.: Rolf Brand