Der Name Helga Brand ist in der Aikido-Szene alles
andere als unbekannt. Als erste Frau in Europa absolvierte sie die
Prüfung zum 5. Dan Aikido (Abschluss der technischen Ausbildung).
Von vielen Lehrgängen ist sie nicht nur den Aikidoka des PSV
wohlbekannt, und so war es nicht verwunderlich, dass sich über
50 Aikidoka in Owschlag einfanden, um bei ihrem letzten Lehrgang
dabei zu sein (den übrigen Interessenten musste aufgrund der
begrenzten Mattenfläche leider wieder mal abgesagt werden).
Auch vom PSV Kiel nahmen fünf Aikidoka am Lehrgang
teil, um ein letztes Mal in den Genuss von Helgas Unterricht zu
kommen und um ihr jahrzehntelanges unermüdliches Engagement
für unsere Kampfkunst zu würdigen. Unsere beiden 1. Dane
Inga Zebothsen und Matthias Lange waren zudem langjährige Schüler
Helgas, bevor es sie nach Kiel verschlug.
Etwas, wovon Helga stets schwärmte, war ein
Hakama (jap. Hosenrock, der von uns beim Training getragen wird),
der nicht nur schwarz oder weiß, sondern mit Blumen versehen
war. Als Ausdruck unserer Anerkennung ihres Wirkens hatten wir als
Geschenk daher einen Hakama mit Margeriten - ihren Lieblingsblumen
- zum Lehrgang mitgebracht, den Inga extra angefertigt hatte. Helga,
die sichtlich gerührt war, lies sich jedoch erst nach Traingsende
überreden, ihn einmal an- und auszuprobieren, denn als Lehrerin
wollte sie nicht gegen die Etikette verstoßen. Während
einige Teilnehmer schon die Matten abbauten, kamen wir dann aber
doch noch zu unseren Fotos von Helga im Blumenhakama.
Während des Lehrganges war Helga mitreißend
wie immer. Nicht nur, dass die 1935 geborene mit ihrer Fitness so
manch 30jährigen alt aussehen lässt, auch in ihrer Technik
war sie gewohnt flink und geschmeidig. Wer nicht bereits wusste,
dass sie seit einigen Jahren mit einer künstlichen Hüfte
lebt, konnte dies aus ihren Bewegungen jedenfalls nicht ableiten.
Auf ihren eigenen Wunsch hin wird sie nun zukünftig
keine Lehrgänge mehr geben (und es kann niemand behaupten,
wir hätten nicht hartnäckig versucht, sie zu doch noch
einem zu überreden). Sie wolle damit jüngeren Lehrerinnen
und Lehrern Raum geben, denn es sei Zeit, dass eine jüngere
Generation von Aikidoka nun übernäme. - Und keine dieser
jüngeren Aikidoka sind ohne leuchtende Augen, wenn sie von
Helga reden. Denn nicht nur ihr Aikido, auch ihre Persönlichkeit,
ihre ehrliche, direkte und dabei herzliche Art zieht alle, die sie
kennen, immer wieder in ihren Bann. Und so verständlich es
ist, dass sie sich zurückzieht, so sehr ist es auch zu bedauern.
Danke, Helga!
Markus Wiese
Polizei-Sportverein Kiel von 1921 e.V.
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